Ray schlief sehr lange. Er träumte, gemeinsam mit Lin sehr weit weg teleportiert zu werden. Ohne, daß es ihm jemand sagte, wußte er, daß er in den Olymp kam.
Lin hielt seine Hand, als sie zu zweit ein bißchen furchtsam durch ein großes Portal schritten. Es war ein riesiger Saal, in dem sich Hunderte Menschen tummelten. Das Stimmengewirr war laut, doch weder er noch Lin konnten mehr als einige Sprachfetzen verstehen. Eine sonore Stimme ertönte in seinem Kopf.
"Richtig, jeder hier kann Uns in seiner Sprache verstehen, Wir alle erscheinen jedem in der Gestalt seines Volkes und auch mit Avataren aus seiner Vorstellungswelt. Du bist humanistisch erzogen worden und deine Entscheidung, deinem Volk in Gestalt eines Gottes aus der griechischen Mythologie zu erscheinen, hat Uns veranlaßt, dich hier den Olymp und seine mythischen Götter sehen zu lassen. Außer Uns Göttern siehst du hier einige Vertreter der Völker des Universums, auch sie haben temporär menschliche Gestalt angenommen. Sei willkommen, Ray und sei ebenfalls willkommen, Lin, Frau des Ray und Vermittlerin zu den Jareel!"
Lin verbeugte sich ganz tief und Ray beeilte sich, es ihr gleichzutun. Als er aufblickte, sah er einen riesigen Steinblock, auf dem Zeus saß. In einem Sekundenbruchteil erkannte er den wahren Zeus, ähnlich seinem, jedoch von imposanter Größe. Der Gott war etwa 4 Meter groß und seine weißblauen Augen blickten ihn und sie gütig an. Er war über 50, sein markantes Gesicht wirkte sympathisch und sein Blick ruhte freundlich auf ihnen. Sein Blick wurde raubvogelhaft, als er Lins Körper taxierte. Ray dachte, was für ein prächtiger, beeindruckender und gewaltiger Gott! und Zeus nickte freundlich. "Ich kann dich hören, Ray, und ich bin erfreut über deine Begrüßung!" Unsichtbare Helfer hatten eine Bank hinter die beiden geschoben und sie fühlten die Aufforderung, sich zu setzen. Ray fand diesen Gott auf Anhieb ungemein sympathisch.
"Wir wie auch die Jareel haben euer Wirken in den letzten zehn Jahren genau verfolgt, wir haben dein ganzes Leben mit eigenen Augen gesehen und sind sehr zufrieden damit, wie ihr beide der Menschheit seit zehn Jahren neue Impulse gebt. Das wollte Ich euch persönlich sagen, das ist der einzige Grund eures Hierseins. Ich habe euch weder neue Aufgaben noch Ratschläge mitzugeben, ihr benötigt sie nicht." Zeus lächelte und wandte sich zu Lin. "Ich bin mehr als doppelt so groß wie du und alles an mir ist ebenfalls gut und gerne doppelt größer als du es gewohnt bist. Ich bitte dich, denke nicht weiter daran, denn es könnte deinem kleinen zarten Körper schaden!" Zeus schob demonstrativ seine Tunika zur Seite und grinste dermaßen frech und anzüglich, daß Lin die Augen ob des Anblicks ungläubig aufriß und atemlos puterrot wurde. Ray glaubte, ihre Gedanken lesen zu können und grinste breit. Dieser Zeus war wirklich ein sympathischer Typ!
Plötzlich erschien vor ihnen ein reichgedeckter Tisch und sie fühlten die Aufforderung, zu essen und zu trinken, ganz nach Herzenslust. Zeus beugte sich hinunter und ergriff einen großen Pokal, um mit ihnen anzustoßen. "Gibt es etwas, mein lieber Ray, was du dir wünschst, Gold, Edelsteine oder schöne Mädchen? Ich will dir all das geben, was immer es ist!" Zeus sah ihn freundlich lächelnd an. Nein, dachte Ray, all das brauche ich nicht. Ich will mit Lin gemeinsam alt werden, so lange wie möglich gesund bleiben und die Menschheit weiter voranbringen, alles andere habe ich schon. Gold oder Edelsteine bedeuten mir nur wenig! Zeus nickte, "Die Jareel haben mir dasselbe schon berichtet. Du bist ein genügsamer Mensch, Ray, das schätze ich sehr! Und bei all deiner Bescheidenheit sollst du viele schöne Mädchen haben, dein Leben lang!" Er nickte freundlich und leerte seinen Pokal. Wie genau dieser Gott doch zuhörte!
Ray war sich bewußt, daß es nur ein Traum war und Zeus nickte bedächtig: "Es ist ein Traum und es ist kein Traum," und wohlige Wärme durchströmte Rays Geist. "Alle wollen euch kennenlernen, euch sehen und mit euch reden" antwortete Zeus auf seine Gedanken. "Und ja, einige Göttinnen und Götter wollen die irdische Lust genießen, die sie seit vielen Generationen vermißten!" Zeus grinste anzüglich über das ganze faltige, bärtige Gesicht.
Nachdem sie gegessen hatten, schwebte ihr Bänkchen mit ihnen hierhin und dorthin, Götter und Göttinnen sprachen stundenlang mit ihnen über alles. Der Traum hielt an, es kam ihnen vor, als wären es Tage. Tage und Nächte verflogen in irdischer Lust, köstlichen Speisen und aufregenden Gesprächen. Er war wie erschlagen und erschöpft von den Gesprächen, er hatte tausend Neuheiten und Erleuchtung erfahren, mehr als ein Mensch jemals zuvor. Ray wurde es immer wieder bewußt, daß all die schönen Göttinnen und Götter nur in seiner Phantasie existierten. Und, daß es nur ein Traum war.
Er fühlte ganz deutlich, als sie wieder zurückteleportiert wurden. Er hielt Lins Hand fest während der langen Reise, die nur einen Sekundenbruchteil dauerte. Er wachte sofort auf, als sie wieder im eigenen Bett lagen und ließ Lins Hand los, sie schlief immer noch tief. Hatte er nur geträumt oder waren sie wirklich zum wahren Olymp teleportiert worden? Er setzte sich auf und betrachtete seine wunderschöne Frau, sie war so zart, so lieblich und hocherotisch anzusehen, wie sie so ruhig schlief. Er betrachtete sie lange und mit steigendem Begehren. Sie war am Erwachen und er küßte sie zärtlich wach.
Lin klaute das Frühstück aus einem Fünfsternehotel in Paris und sie frühstückten mit einem Heißhunger, als ob sie seit Tagen nichts gegessen hätten. Lin hatte genau denselben Traum wie er gehabt, sie erzählten sich die gleichen Erlebnisse und lachten gemeinsam, da sie alles gemeinsam erlebt hatten. Einer Eingebung folgend fragte er den Bordcomputer, welches Datum heute war. Sie hatten 14 Tage lang geschlafen! Die Jareel bestätigten Lin, daß sie 14 Tage im Olymp gewesen waren. Natürlich.
Sie blieben den ganzen Tag am Frühstückstisch sitzen und erzählten sich alles aufs Neue, was sie gemeinsam erlebt hatten. Sie lachten aus ganzem Herzen, wenn sie sich ihre Erlebnisse erzählten. Ihm schwindelte der Kopf, mit welchen berühmten Göttinnen der griechischen Mythologie er sich vergnügt hatte und Lin schwärmte davon, wie sie sich dem alten Riesen Zeus täglich hingegeben hatte und so große Lust wie nie zuvor erlebte. Ray hatte es selbst miterlebt und zugesehen, doch er war trotz des Anblicks sehr besorgt um ihren zarten Körper gewesen. Doch sie lachte glockenhell auf und sagte, sie mußte das einfach erleben! Ray küßte sie zärtlich und sagte lächelnd, sie hätte so wunderbar schön wie noch nie in ihrer Lust mit dem Gott ausgesehen!
Sie feierten das zehnjährige Jubiläum ihres Zusammenseins wie einen Geburtstag, schwammen vor dem Abendessen im Meer und saßen danach im Wohnzimmer bei Whisky und Gin. Sie sprachen noch tagelang über die Erlebnisse im Olymp. Er sagte, es sei sehr schade, daß sie keine Kameras dabeihatten und es keine Aufzeichnungen gab. Den Inhalt ihrer Gespräche mit den Göttern hatten sie schon beim Erwachen vergessen und konnten sich an keine Details erinnern. Umso tiefer hatten sich ihre Erlebnisse in ihr Gedächtnis eingegraben, jedes noch so kleine Detail. Ray setzte sich zum Bildschirm und schrieb alles auf, alles was er erlebt und was er bei Lins Erlebnissen gesehen hatte. Sie schrieb ebenfalls alles auf, aus ihrer Sicht, sie lasen diese Texte oft gemeinsam. Eines Tages überraschte ihn Lin, sie hatte — auf welchen Wegen auch immer — Aufzeichnungen über ihre Erlebnisse im Olymp besorgt und sie sahen sich Teile allabendlich vor dem Zubettgehen an, das hielt das Feuer auf dem heimischen Herd am Brennen und Lodern, viele Monate lang.
Sie kehrten am Tag nach ihrer Rückkehr zu ihrer Arbeit zurück. Ray war nach dem Besuch im Olymp ernster, ruhiger und nachsichtiger geworden. Er bestrafte die Piraten in Asien und die Gangster in Südamerika und Afrika milder und verhinderte so viele Morde wie nur möglich. Nur die übelsten Kerle ließ er tot umfallen, was ihn jedesmal völlig deprimierte. Er war abends nur froh, wenn er an einem Tag nicht töten mußte. Lin berichtete ihm, daß es nur noch wenige Flecken auf dem Planeten gab, wo es noch Hunger gab. Sie verbrachte jetzt die meiste Zeit mit dem Fortschritt des Gremiums, las alle Protokolle gewissenhaft durch und damit konnte sie Ray abends etwas aufheitern.
Sie beobachteten die Entwicklungen nach der künstlichen Verknappung der fossilen Treibstoffe. Das Gremium pulverte viel Geld in die Forschung und schob vielversprechende Projekte ordentlich an. Es wurden inzwischen mehr als 50% der Energie auf alternativen Wegen erzeugt. Ray hatte unter den Piraten und den Gangstern so sehr aufgeräumt, daß er sich täglich am frühen Nachmittag zu Lin setzen konnte und mit ihr gemeinsam die Projekte und Protokolle des Gremiums durchgehen konnte. Bereits nach einem halben Jahr blühten die Projekte richtig auf und er glaubte, daß er keine 100 Jahre mehr auf konkrete Ergebnisse warten mußte.
Monatlich besuchten die Diplomatinnen Zeus, die anfängliche Mißstimmung über sein unangekündigtes Vorgehen war restlos verflogen. Die Besuche nutzte Zeus, einzelne Projekte zu diskutieren, da er von den Jareel viele technische Hinweise bekam. Ja, die Diplomatinnen nahmen all diese Hinweise auf den USB‐Sticks mit und gaben sie weiter. Zeus entließ die Diplomatinnen immer mit dem schönen und starken Gefühl, von ihm geliebt zu werden.
Wenn Lin die schlafende Podukhai wieder heimteleportierte, ließ sie ihr einen Rest an Erinnerung an die Nacht mit Zeus. Podukhai saß oft am Morgen unausgeschlafen im Bett und ließ die Nacht in den Armen des Gottes vor ihrem geistigen Auge ablaufen, das machte sie sehr glücklich und ließ sie die erniedrigenden Nächte beim Großen Führer vergessen. Und wenn sie bei dem alten Mann lag, schloß sie die Augen und dachte lächelnd an die Lust mit Zeus. Der alte Mann interpretierte ihr Lächeln natürlich völlig falsch, aber das war der jungen Frau gleichgültig. Der alte Mann schluckte eine Handvoll Pillen, bestieg sie mühsam und strengte sich mächtig an, um ihr Lust zu verschaffen — Abend für Abend das gleiche Spiel. So war es nicht verwunderlich, daß er eines Nachts mit Herzversagen tot über ihr zusammensank. Podukhai schob ihn angewidert von sich, denn noch im Sterben hatte er sich in ihr ergossen. Sie konnte ungesehen in ihr Zimmer entwischen.
China trauerte wochenlang um den Großen Vorsitzenden. Einige wußten von Podukhais Nächten bei ihm und kondolierten ihr im Geheimen. Sie wahrte ihr Gesicht und nickte nur stumm, denn sie durfte ihre Gefühle niemandem zeigen. Natürlich begann schon am ersten Tag der Kampf um die Nachfolge. Podukhai gelang es, sich völlig herauszuhalten und zog sich in ihr Sommerhaus zurück. Sie fand viel Trost, Bestätigung und Lust in den Armen des Gottes.
Schließlich war es der Stellvertreter, der siegreich aus den Kämpfen hervorging. Er war noch sehr jung, noch keine 50 und war vom Verstorbenen sehr gefördert worden. Einige Funktionäre verschwanden von der Bildfläche, doch der neue Vorsitzende setzte geschickt die Politik seines Vorgängers fort. Auch er war unverheiratet und ließ allabendlich junge Mädchen kommen wie der pädophile Vorgänger. Es dauerte keine drei Monate, bis er Gefallen an Podukhai fand und sie zu sich rief, denn sie war ungemein klug und diplomatisch erfahren, wovon er natürlich profitieren konnte. Er kannte ihren Körper und ihre Liebeskünste natürlich ganz genau, da er den Vorsitzenden auch des Nachts mit versteckten Kameras ausspioniert hatte. Podukhai wußte es natürlich und empfand einen besonderen Kick, ihre Show vor den Kameras abzuziehen. Sie hatte den Eindruck, der Neue könnte etwas offener für Reformen und Veränderungen sein, aber sie blieb sehr vorsichtig und zurückhaltend. Natürlich legte sie sich bereitwillig zu ihm und dem blutjungen Mädchen und erfreute sich an ihrer eigenen körperlichen Lust.
Ray wies den Wunsch des neuen Vorsitzenden, ihn persönlich zu treffen, höflich und freundlich zurück, ohne diesen zu verärgern. Zeus sprach mehrmals mit dem neuen Mann über dessen Fernseher und legte seine Absichten zur Verbesserung der Situation der Menschheit klar dar. Er hoffte, der neue Vorsitzende wäre zugänglicher für seine Mission. Er bekam keine festen Zusagen, natürlich nicht. Aber der Mann hörte ihm wenigstens gut zu und war am Ende der Gespräche erkennbar nachdenklich. Ray scheiterte erneut, den Vorsitzenden mental in den Griff zu bekommen und gab seine Versuche auf.
Immerhin gelang es Zeus bei einem dieser Gespräche, daß der Vorsitzende zustimmte, Podukhais Gehalt signifikant zu erhöhen und sie reich zu beschenken. Podukhai zuckte mit keiner Miene, als der Vorsitzende es ihr mitteilte und bedankte sich höflich. Die Geschenke der Partei waren riesig, oft das Hundertfache ihres Monatsgehaltes und sprudelten beinahe im Wochenrhythmus. Natürlich wußte sie, daß es Zeus war und bedankte sich auch bei ihm. Ihre Familie und auch sie selbst waren vorher auch nicht arm, doch sie konnte das Geld gut gebrauchen. In China galt man mehr, wenn man ein Vermögen anhäufen konnte. Sie wurde rasch sehr reich und viele bewunderten oder beneideten sie. Eines ihrer ersten Anschaffungen war ein prächtiges Penthouse‐Apartment in Hongkong, hoch über dem Hafen in bester Lage. Sie würde sich dorthin zurückziehen, wenn ihre Karriere zu Ende war. Hongkong war natürlich in den Fängen der Partei, doch sie war die internationalste und westlichst orientierte Stadt Chinas.
China blieb auch unter der neuen Führung ein Problem für die Welt.
Ray und Lin kümmerten sich nur noch wenig um den Hunger und die Banditen, beides war stark zurückgegangen. Sie unterstützten das Gremium und Richter Adams, der ihre Arbeit sehr schätzte. Ray las sehr viel und beobachtete die Welt mit einem guten Abstand, nicht die Details schienen ihm wichtig, sondern das Gesamtbild. Er war Lin aus ganzem Herzen dankbar, daß sie ihn nur körperlich in einen 25jährigen verwandelt hatte und er im Kopf 40 geblieben war. Lin legte ihm die feinsten jungen Mädchen ins Bett und hatte ein untrügliches Gespür dafür, wann es zu seinen Wünschen paßte und wann nicht. Sie spürte die Liebe Rays zu ihr und war eine sehr glückliche Frau.
Er besprach sein nächstes Projekt mit Lin, die es für Richtig hielt und gab es den Jareel weiter. Er lud die Diplomatinnen zu sich ein. Zeus empfing die Damen wie immer und ließ sie auf Augenhöhe schweben, das war ein Zeichen, daß er sie einbeziehen wollte. "Ich habe wieder einen Auftrag für euch, bei dem es von Bedeutung ist, daß ihr die Botschaft überbringt, mehr Arbeit bürde ich euch nicht auf." Zeus zwirbelte seinen Bart und blickte eine nach der anderen an. "Die Sklaverei ist nicht mehr zeitgemäß und ist für die Betroffenen schlimmer als die Pest! Leider ist die Sklaverei in einigen Regionen selbstverständlich, in den meisten Ländern ist sie per Gesetz verboten. Ich muß euch die Entscheidung überlassen, ob ihr zögerliche Staaten überzeugen wollt. Oder die Einhaltung der Gesetze einfordert. Das mögt ihr selbst entscheiden, darauf will ich nicht einwirken. Auch habe ich nicht vor, die Sklaven‐ und Menschenhändler zu bestrafen, das mögen eure Regierungen entscheiden."
Er reichte den Diplomatinnen Weinkelche mit bestem französischen Wein. Sie tranken, nachdem er seinen Pokal erhoben hatte und mit ihnen auf 10 Jahre gute Zusammenarbeit angestoßen hatte. Er setzte fort: "Auf euren USB‐Sticks findet ihr zwei Dateien, nach Staaten geordnet. Eine betreffend die Übeltäter, ihre Kontaktdaten, Bankverbindungen und Vermögen, ihre Vernetzung und ihr modus operandi. Die vernetzten Gangster sind so gruppiert, daß deren Zusammenhang sichtbar wird."
"Die zweite Datei enthält, ebenfalls nach Staaten geordnet, Namen und persönliche Daten der Opfer, sowie den Ablauf ihrer Versklavung. Ihr könnt diese Daten euren entsprechenden Behörden übergeben, die sowohl die Sklaven befreien könnten als auch die Gangster und ihre Netzwerke stilllegen, verhaften und einsperren können. Das müßt ihr, das müssen sie entscheiden." Zeus machte eine Pause und sah sie fragend an.
Regine meldete sich als erste. "Ich habe es verstanden und werde die Daten weitergeben, meine Staaten sind für die gründlichen Ermittlungen, die du angestellt hast, mit Sicherheit sehr dankbar! Ich persönlich hasse Menschenhändler und Sklaverei aus tiefstem Herzen und weiß, wie schwer es für unsere Ermittler ist, sie auszuforschen. Und danke dafür, daß du in diesem Fall keinen Druck auf die Staaten ausübst."
Podukhai zupfte an ihrer durchsichtigen Tunika, die immer wieder eigensinnig ihren Körper entblößte. "Obwohl ich selbst noch nie davon gehört habe," sie lächelte Zeus liebevoll an, "gehe ich davon aus, daß deine Recherchen auch China und Asien betreffen." Sie lächelte ihr strahlendstes Lächeln, als Zeus nickte. "Ich muß nur eine gute Strategie entwickeln, denn die Führer in Asien und auch in China werden es nicht an die große Glocke hängen wollen. Aber ich verspreche dir, daß ich die Daten weiterleiten werde, auch wenn es nicht zu erwarten ist, daß du Dank dafür bekommst." Zeus nickte freundlich, das sei vermutlich so.
Anne sprach als Letzte. "Für die Vereinigten Staaten kann auch ich dir versprechen, daß die Daten in die richtigen Hände kommen und daß man mit ihnen entsprechend vorgehen wird. Das hilft unseren Behörden und sie sind sicher dankbar für deine Hilfe. Natürlich gebe ich die Daten gerne an alle Staaten Nord‐ und Südamerikas weiter, man wird sehen, wie sie damit umgehen." Anne unterdrückte den Impuls, zu erwähnen, daß Präsident White sich mit Sicherheit mit diesen Federn schmücken werde. Zeus grinste ihr zu und sagte: "Daran besteht kein Zweifel, meine Liebe!" Anne blickte ihn erstaunt an. Er zwinkerte und sprach nur in ihrem Kopf: "Man wird bei der Aufzeichnung nicht herausfinden, worauf ich das gesagt habe!" Anne senkte den Kopf, um ihr Lachen zu verbergen.
Zeus deutete mit einer Hand auf eine große Tafel, die sich im Thronsaal befand. "Diesmal gibt es ein gemeinsames Essen, meine Lieben, Wildschweinbraten aus Rumänien, köstlich zubereitet! Feinster französischer Rotwein, ein Cabernet‐Sauvignon aus dem Périgord, laßt es euch schmecken!" Die Bänkchen schwebten zum Tisch, Zeus stieg vom Thron herab und setzte sich zu den Damen. Sie aßen und tranken und plauderten fröhlich, bevor sie wieder teleportiert wurden. Ray ging zu Lin. Er dankte ihr für das Arrangement des Essens, das war zwar neu, aber ganz toll gelungen. Lin murmelte mit gesenktem Blick, daß sie nur das Besprochene ausgeführt hätte. Insgeheim freute sie sich sehr, denn es war etwas Außerordentliches, daß er sich so ausführlich bedankte. Er faßte sie unter das Kinn und sah ihr in die Augen: "Meine Frau, meine allerbeste Frau!"
Sie beobachteten in den folgenden Monaten die Nachrichten auf der Erde, Zeus telefonierte jede Woche mit den Diplomatinnen. Einige wenige Regierungen unternahmen nichts, gar nichts. Die meisten aber ließen ihre scharfen Hunde von der Kette, verhafteten reihenweise Gangster und befreiten Opfer. In Europa ging man am energischesten vor, Bordelle mußten schließen, tausende Frauen waren plötzlich frei und die Gerichte hatten genügend Hinweise und Beweise, um die Übeltäter wegzusperren. In den USA war die Aktion auch sehr erfolgreich, obwohl es kaum Sklaverei außerhalb der Bordelle gab, und viele Zwangsprostituierte wurden befreit. Anne flog nach Saudiarabien, um mit dem jungen König Mohammed persönlich zu sprechen. Der König hatte Tausende Sklaven, andere vermögende und wichtige Personen ebenso. Die Sklaverei war theoretisch verboten, doch das Land konnte ohne sie nicht existieren. Anne war trotzdem erfolgreich, der König und einige seiner Vertrauten versprachen glaubwürdig, in kleinen Schritten aus Sklaven Angestellte zu machen. Natürlich war das ein Prozess, der eine zeitlang dauern würde, einige Monate vielleicht, aber dem König war es egal, ob seine Sklaven nun Angestellte wurden oder nicht. Sobald er und seine wichtigsten Leute diesen Schritt gemacht hatten, würde er mit entsprechendem Druck die bestehenden Gesetze im ganzen Königreich einfordern. Es würde das Ansehen des Königreiches erheblich verbessern. Anne reiste mit einem guten Gefühl heim. Südamerika war aber genauso problematisch wie Afrika.
Podukhai war von der glasklaren Unterstützung des Großen Vorsitzenden überrascht. Er war jedenfalls auf ihrer Seite, auch wenn ihm das Thema nicht persönlich vertraut war. Kommunistische Partei und Sklaverei, das ging doch einfach nicht! Sie wunderte sich, wie viele Parteigenossen in Straflager kamen oder einfach verschwanden. Die Partei gewährte jedermann Pardon, wenn die Sklaverei in ein ordentliches Beschäftigungsverhältnis bis zum nächsten Monat umgewandelt wurde. Der Große Vorsitzende gab keinen Zentimeter nach, es gab keine einzige Ausnahme! Podukhai konnte das vorbildliche Beispiel Chinas in die Waagschale werfen und einige Regierungen überzeugen. Nicht aber das Königreich Brunei, der Sultan war verbohrt und vorvorgestrig. Indonesien und die Philippinen lenkten zähneknirschend ein, obwohl viele Reiche und Superreiche lieber die saftigen Strafen bezahlten.
Regine hatte in Afrika nur wenig Glück. Sie konnte zwar erreichen, daß die große Mittelschicht der republikanischen Staaten die Sklaverei aufgab und die Sklaven rechtmäßig angestellt und bezahlt wurden. Aber die Reichen und Superreichen spielten nicht mit, sie hatten seit vielen Generationen Sklaven und bestanden stur auf ihrem Recht. Nur Südafrika schaffte die Sklaverei ganz ab und ging mit großer Härte gegen die Reichen und Superreichen vor.
In Afrika und Südamerika gab es nach 5 Monaten immer noch erschreckend viele Sklaven. Ray und Lin sprachen viel über dieses Projekt, das zwar nicht hundertprozentig Erfolg gebracht, aber trotzdem ganz gut funktioniert hatte. Ray war nun auch überzeugt, daß es richtig war, daß Zeus keine Strafen ausgesprochen hatte. Nach zwei Monaten hatten sie schon das nächste Projekt ausgearbeitet.
Zeus lud die Diplomatinnen wieder ein. Er begann mit der Anerkennung, daß die Diplomatinnen gute Arbeit geleistet hatten und er bedankte sich ausdrücklich bei Podukhai und dem chinesischen Präsidenten für ihr vorbildliches Beispiel. China hatte sich seinen besonderen Dank verdient. Er machte eine lange Pause und strich seinen Bart, denn er wußte, wie empfindlich er Präsident White damit traf. Anne wollte schon etwas sagen, aber er setzte fort.
"Die nächste Aufgabe ist ähnlich wie vorherige. Es geht diesmal um Kinderpornografie und Kindesmißbrauch." Er wartete einen Augenblick und sprach ernst weiter. "Das ist eine abscheuliche Seuche, Millionen Kindern wird die Seele für immer zerstört, ebenso ihre Entfaltung und ihre Zukunft! Bei meinen Recherchen bin ich immer wieder darüber gestolpert und habe beschlossen, eurer Exekutive unter die Arme zu greifen. Auf euren USB‐Sticks findet ihr zwei Dateien. Die Täter, Händler und Konsumenten, nach Staaten und Netzwerken geordnet. Wie schon zuvor, Namen, Kontaktdaten, Netzwerke, Bankverbindung und Vermögen, etcetera. Es sind auch Hinweise enthalten, wo sich die pornographischen Daten gerade befinden. Dies sollte eure Ermittlungen unterstützen. Der zweite Datensatz enthält die Namen und Kontaktdaten der Kinder, sowie wann sie von wem mißbraucht wurden. Jedes dieser Kinder braucht Hilfe!"
Die Diplomatinnen schwiegen betreten, zu diesem Thema konnte man nichts hinzufügen. Zeus fragte, ob sie die Aufgabe übernehmen wollten und sie nickten eine nach der anderen. Zeus fügte hinzu: "Die Exekutive wird eine Menge Arbeit damit haben, die Gerichte ebenfalls. Ich glaube nicht, daß das Problem damit aus der Welt geschafft werden kann, aber es könnte die Seuche in Zukunft vielleicht verkleinern!"
Er hob seine Hand und wies auf die Festtafel: "Genießen wir gemeinsam das Mahl, Meeresfrüchte von den Küsten des Mittelmeeres und dazu feinster spanischer Rotwein, ein Tinta de Toro, ein Tempranillo!" Sie nahmen am Tisch Platz, es wurde eine sehr angenehme Unterhaltung und sie genossen das prächtige südländische Mahl. Der Spanier schoß den Diplomatinnen in den Kopf, er trank sich leicht wie Mineralwasser und trat am nächsten Morgen stark wie ein Stier. Und wieder bedankte sich Ray ausdrücklich bei Lin, seiner besten Frau, und wieder murmelte sie errötend, sie habe nur gemacht, was sie vereinbart hatten. Ray lachte, "du bist die Einzige, die so perfekt kochen kann!" Sie lachten beide, denn Lin kochte niemals, sondern bestellte und stiebitzte die Speisen fixfertig aus den besten Küchen der Welt. Natürlich bezahlte sie jedesmal dafür aus den unerschöpflichen Geldvorräten der Jareel, das gehörte sich so.
Monate lang beobachteten Ray und Lin die Nachrichten auf der Erde. Die Medien fraßen sich gierig durch die schleimigen Abgründe, das war zu erwarten, aber es war auch sehr traurig. Polizei und Gerichte konnten in den meisten Fällen kurzen Prozess machen, sie konnten zielgenau Beweismaterial sichern und ganze Netzwerke ausheben. Die meisten Bürger hatten ein natürliches Grausen und einen völligen Abscheu. Sie waren froh, daß so heftig und wirksam durchgegriffen wurde. Die meisten Händler beraubten die Gerichte ihres schmutzigen Geldes und verwendeten einen Großteil davon für die Betreuung der Kinder. Mancher liebende Ehemann hörte die Handschellen klicken und wachte unsanft aus seinem schäbigen kleinen Traum auf. Es war ein weltweiter Feldzug, denn alle Staaten waren betroffen. Inzest war in vielen Staaten nicht verboten und wurde daher auch nicht bestraft, doch auch diese Kinder brauchten psychologische Hilfe. Darum waren Täter und Opfer aufgeführt, selbst wenn es vielerorts kein Verbrechen war.
Zeus telefonierte wöchentlich mit den Diplomatinnen und ließ sie einmal im Monat zu sich kommen. Innerhalb von 6 Monaten wurden weltweit etwa 85% bis 90% der Netzwerke zerschlagen und die Mitglieder weggesperrt. Er war sehr zufrieden und bedankte sich bei den Diplomatinnen und den Regierungen. Er war sich klar darüber, daß die meisten Täter nach einigen Monaten oder Jahren wieder herauskamen und das abscheuliche Treiben fortsetzen würden. Aber das war eine Aufgabe für einen anderen Tag. Jeder Besuch der Damen wurde mit einem leckeren Festmahl beendet, das schien ein guter Brauch zu werden.
Ray und Lin überwachten nun eine ganze Reihe von Projekten. Das Hungerprojekt und die Vergewaltiger nahmen immer noch einige Stunden am Vormittag in Anspruch. Bis zum Mittagessen beschäftigten sie sich gemeinsam mit Projekten des Gremiums und dann noch nachmittags mit den Klima‐ und Energie‐Projekten. Vor dem Abendessen gingen sie die Daten zur Sklaverei und dem Kindesmißbrauch gemeinsam durch. So sah ein durchschnittlicher Arbeitstag aus.
Sie lasen abends sehr lange, Ray hatte sich nach den Gesprächen über den Kindesmißbrauch auf die Psychologie gestürzt. Er las alle Bücher, die er finden konnte und ging einem Thema gründlich nach, las dazu Dissertationen und akademische Schriften. Er diskutierte in Internetforen mit, wenn es ernsthafte waren. Lin ermunterte ihn, mit führenden Psychologen und Psychiatern zu korrespondieren, aber das hielt nicht lange. Lin war eine ausgezeichnete Gesprächspartnerin und ihm wurde bei ihren intensiven Gesprächen klar, daß er vermutlich den Beruf eines Therapeuten ergreifen würde, wenn er vor die Wahl gestellt wäre. Der Anwaltsberuf war für ihn völlig uninteressant geworden.
Nach dem Tod seines Vaters videophonierten sie jeden Monat mit seiner Mutter und Leonardo. Sie hatte sich entschlossen, ebenso wie sie nackt zu videophonieren. Lin hatte ihm versprochen, sie lebenslang gesund zu erhalten. Ray stellte fest, daß sie alles überflüssige Fett abtrainiert hatte und auf sich schaute, sie war eine sehr hübsche 53jährige geworden und zeigte sich voller Stolz. Diese Stunde war für Ray sehr wichtig, er ließ sie niemals ausfallen.
An seinem 40. Geburtstag saß er mit Lin engumschlungen am Strand im milden Licht vor dem Sonnenuntergang. Er fragte sich, wie die Zukunft wohl aussehen könnte. Er würde die Mutter wohl neben dem Vater in Marbella bestatten und das Geburtshaus in Wien renovieren. Er hatte vor, in einigen Jahren nur den halben Monat auf dem Raumschiff zu arbeiten und die andere Monatshälfte als Hypnosetherapeut in Wien zu arbeiten. Lin nickte zustimmend, das wäre ein guter Plan. Ja, sie werde ihn begleiten und sich auch eine interessante Arbeit in Wien suchen.
Lin sagte es ihm nie, daß die Jareel sie in die Zukunft haben schauen lassen. Seine Mutter würde mit 66 Jahren in den Armen Leonardos sterben, plötzlich und schmerzlos nach dem Liebesakt. Sie klammerte sich an Leonardo und ihr Herz jauchzte, als er sich in ihr ergoß. Ihr Herz zerbarst in einem Augenblick höchster Lust. Ray würde seine Körperkraft bis weit über 80 behalten und danach gesund und langsam altern. Er würde sein Leben lang als ausgezeichneter Hypnosetherapeut wirken, vielen armen Menschen helfen können und die Praxis erst mit etwa 85 schließen. Einige Jahre danach würde er sich überzeugen lassen, den Körper des Zeus zu behalten und den Körper Rays für immer aufzugeben. Sie selbst würde mit ihrem 20jährigen Körper und dem 40jährigen Zeus noch jahrhundertelang im Raumschiff leben und der Menschheit dienen. Sie lächelte und schwieg eisern. Das war eine gute Zukunft, die sie glücklich machte.
Ray stand manchmal vor Sonnenuntergang im hüfttiefen Wasser und hielt Lin in seinen starken Armen, die das Schweben im Wasser ungemein liebte. Sie streichelte ihren Körper mit seligem Phantasieren. Wenn sie fertig geworden war, öffnete sie die Augen wieder und strahlte ihren Mann glückselig an, kleine Sterne funkelten in ihren goldfarbenen Mandelaugen. Diese Momente waren für sie die schönsten des Tages.
Er wußte ganz genau, wie alt sie waren.
Er war 25, sie bezaubernde 20.