Am nächsten Tag erinnerte ihn Lin nach dem Frühstück, sie sollten sich im Thronsaal die Projektion des Zeus ansehen. Sie ließen sich von der "Kamera" in den Thronsaal bringen. Sie hockten sich auf die Besucherbank vor dem Thron und warteten gespannt. Zeus erschien auf dem Thron. Ray und Lin hielten den Atem an.
Der muskulöse Riese sah imposant aus, sein mächtiger Brustkasten war doppelt so breit wie seine Hüften. Der Gott entfaltete seine prächtige Manneskraft. "Mein Gott!" stammelte Lin, "ich habe noch nie so einen gesehen!" Sie griff nach Rays Hand und kuschelte sich erregt an ihn. "Ein Riesen...." hauchte sie, "wie er sich wohl anfühlte?" Sie schlug ihre Hand vor den Mund und wurde puterrot.
"Er braucht eine Tunika und einen Stab" erinnerte Ray trocken und beides erschien wie von Zauberhand. Die weiße Tunika aus feinstem Tuch war am Rand mit einem goldenen Rand versehen, er bedeckte eine Schulter und den Unterleib des imposanten Mannes. Eine fein gearbeitete Fibel aus purem Gold hielt die Tunika über der Brust zusammen. Eine Hand umklammerte einen goldenen Stab, der ihn überragte. Aus der Spitze des Stabes schossen kleine Blitze. Ray nickte zufrieden, so in etwa hatte er es sich vorgestellt.
"Er ist zu blass, er braucht etwas Sonnenbräune," murmelte er und das Gesicht und der Körper des Riesen erhielt eine angenehme Bräunung. "Die Haare sollten silbriger aussehen und bis zu den Schulterblättern reichen. Gelockt, wie bei Phidias." Er sah sich das Gesicht genauer an. "Er sollte etwas jünger sein, um die 40 und einige markante Falten im Gesicht braucht es auch. Nein, nicht so viel! Faltig markant und nicht faltig faltig!" Ray war noch nicht ganz fertig. "Die Augen müssen heller werden, strahlend blau, faszinierend blau!"
Ray blickte auf Lin, die ihre Augen nicht vom Riesen losreißen konnte. Er fragte sie und sie zuckte leicht zusammen. "Ich will seine Stimme hören!" sagte sie und Zeus wiederholte ausdruckslos, "Sie will meine Stimme hören!"
"Nein, nein!" sagte Lin, "er braucht eine tiefe, grollende Stimme, er ist der gottverdammte Donnergott!" Sie steuerte mit Handbewegungen seine Stimme, bis sie tief und grollend klang. Ray und Lin erschauerten beim donnernden Klang dieser Stimme, jetzt war es richtig. Ray ließ Lin einige Minuten lang Zeit, um sich am Gott sattzusehen. Sie entließen den Gott und gingen in das Wohnzimmer seiner Wohnung. "Ich habe es bemerkt und werde dir diese Freude machen, falls es möglich ist," sagte er und strich mit der Hand sanft über die heißen Wangen Lins. Sie senkte den Kopf und errötete. "Es ist möglich," wisperte sie, "du kannst es dir jederzeit wünschen!"
Er ging ins Schlafzimmer voraus und legte sich aufs Bett. Er wünschte sich den Körper des Gottes und er war es. "Ich bin's, Ray, ich bin es wirklich" grollte Zeus, als Lin sich zu ihm legte.
Er wünschte sich später wieder seinen eigenen Körper und sie nahmen das Abendessen in der neuen Wohnung ein. Nach dem Essen tranken sie Whisky und Gin und rauchten. Er fühlte sich in der neuen Wohnung sehr wohl und zufrieden. Er lauschte lächelnd, als Lin ihm von ihrem Erleben mit dem Gott schwärmte. Er schwamm noch mit Lin im Meer, bevor sie sich schlafen legten.
Dann kam der große Tag. Sie gingen in den Thronsaal, Ray setzte sich auf den Thron und verwandelte sich in Zeus. Er sah vor sich ein kleines Viereck in der Luft, da sollte er hinsehen. Er wartete einige Minuten, bis er sich ganz entspannt hatte. Theaternebel stieg auf, Fanfaren erklangen und der Nebel lichtete sich. Lin schwebte von der Seite her herein, ein Körbchen Blumen und Blütenblätter auf dem Arm.
Ihr Gesicht hatte sich in das idealisierte aristokratisch wirkende Gesicht einer antiken Griechin verwandelt, ihr nackter Leib unter dem weißen Tüll ließ keine Fragen offen und sie schritt um den Thron, streute Blumen und Blütenblätter auf den Boden. Sie setzte sich zu Füßen des Gottes und schmiegte sich an seine Beine.
Ray konzentrierte sich und las seine Rede ruhig von der Anzeige ab, die direkt hinter dem Viereck erschien. Zeus hob eine Hand und die Fanfaren klangen aus.
"Friede sei mit euch, Menschen dieser Welt! Ich komme in Frieden und will euch Frieden bringen. Aber ihr alle müßt den Frieden auch selbst wollen! Beendet alle Kriege, drängt eure Anführer, die Kriege ein für alle Mal zu beenden. Nach Jahrtausenden voller Kriege ist es nun an der Zeit, daß die Menschheit einen großen Schritt in eine friedliche Zukunft macht. Verschwendet eure Ressourcen nicht, setzt sie klug und gerecht ein. Ich fordere von euch: beendet eure Kriege sofort, werft eure Waffen weg, denn ich komme in drei Tagen wieder und nehme sie euch!"
Fanfaren, Theaternebel. Ray stand auf und verwandelte sich zurück, Lin ebenfalls. Sie gingen Hand in Hand ins Wohnzimmer und setzten sich zum Bildschirm.
Auf der Erde brach sofort die mediale Hölle aus. Alle Fernsehkanäle der Welt hatten seinen Fernsehauftritt gleichzeitig übertragen, jeder hörte seine Worte in seiner Landessprache. Nur ganz wenige Fernsehkanäle versuchten, seine Ansprache zu unterbrechen, doch keinem gelang es rechtzeitig.
Die Mächtigen und die politischen Führer beriefen sofort Krisensitzungen ein. In den Büros dreier Präsidenten, der USA, Europa und China gingen die Kontaktdaten von Zeus ein. Sie sollten die einzigen sein, die direkt Kontakt aufnehmen konnten. Neben seinem Bildschirm erschienen Anzeigen in der Luft, die die Krisenstäbe zeigten. Er saß stundenlang mit Lin vor diesen Anzeigen und beobachtete die Reaktionen der Kriesenstäbe. Ray fragte nicht, mit welchem Hokuspokus die Jareel die Sitzungen aus den Hochsicherheitsräumen übertrugen.
Natürlich war der erste Gedanke, daß es sich um einen Jux in Hollywoodmanier handelte. Andererseits stellten ernsthafte Journalisten und Experten fest, daß die Ansprache auf der ganzen Welt gleichzeitig und in verschiedenen Sprachen zu sehen war. Ein solcher Jux war rein technisch nicht möglich! Die Ansprache wurde hunderte Male wiederholt, Talkshows mit renommierten Teilnehmern kommentierten jedes Wort, jeden Satz. Man war sich einig darüber, daß ein Außerirdischer mit ihnen Kontakt aufgenommen hatte. Seine äußere Erscheinung erinnerte an Zeus aus der antiken griechischen Mythologie. Experten bestätigten, daß es sich nicht um eine Computeranimation etc. handelte.
Die Botschaft war einfach, klar und nicht zu mißverstehen. Die Politiker aller Staaten waren in heller Aufruhr und befragten ihre Partner weltweit. Kriege beenden? Warum? Die Ansprache endete mit der Ankündigung, ihnen die Waffen wegzunehmen.
Keiner, der gerade Krieg führte, wollte es beenden. Keiner dieser Staaten war bereit, einzulenken. Es war lächerlich, wie sollte ihnen irgendjemand die Waffen wegnehmen? Die Führung der USA und Europas nahmen Kontakt zu ihnen auf und rieten, die Kampfhandlungen temporär einzustellen. Beide, USA und Europa, kamen als erste zu dem Schluß, daß es eine Kontaktaufnahme mit Außerirdischen und ernst zu nehmen war. Sie wurden belächelt und ihre Warnungen in den Wind geschlagen.
In den Printmedien und den Onlinediensten kursierten die unterschiedlichsten Meinungen. Es gab die verrücktesten Verschwörungstheorien, aber auch Meinungen ernsthafter Menschen. Die Aussage der Ansprache war einfach.
Beendet die Kriege. Gebt das Geld für bessere Dinge aus. Lebt in Frieden.
Tatsächlich, hunderttausende Menschen in aller Welt wandten sich an ihre Politiker. Die Politik war aufgeschreckt, sie mußten dazu etwas sagen. Das übliche, was bitte sonst?
Ray war ziemlich enttäuscht. Er saß schon länger als zwei Tage vor seinem Bildschirm und vor den Anzeigen, wo die Jareel das Wichtigste zusammengestellt hatten. Er war müde, ausgelaugt und enttäuscht. Er hatte kaum vier Stunden geschlafen, hatte im Meer gebadet und sich sofort wieder vor den Bildschirm gesetzt. Er hatte keine Lust auf Sex, Lin verstand ihn sehr gut und sorgte dafür, daß er etwas aß und trank.
Lin sagte, es gehe los.
Das Raumschiff der Jareel hatte sich unsichtbar auf 5.000km an die Erde angenähert, setzte tausende Objekte rund um die Welt aus. Die Objekte waren kaum 2 Meter groß und getarnt. Sie waren darauf programmiert, die Waffen unbrauchbar zu machen und zum Raumschiff zurückzukehren.
Rays Raumschiff flog mit einer irrsinnigen Geschwindigkeit ungetarnt über Afrika und über den Atlantik bis auf 10 Kilometer vor der Mündung des Potomac River vor Washington und blieb dort in 3.000 Meter Höhe unbeweglich stehen. Die militärischen Überwachungsstationen verfolgten den wahnsinnig schnellen Flug des großen Raumschiffes und schlugen augenblicklich Alarm. Mehrere Jagdflugzeuge stiegen an der amerikanischen Ostküste auf und umkreisten das Raumschiff, das aus Washington mit bloßen Augen zu sehen war.
Ray saß mit Lin in der Kommandozentrale und beobachtete sie. Er reagierte nicht auf die Funksprüche, obwohl er natürlich alles sehen und hören konnte. Präsident Andrews gab den Angriff auf das fremde Raumschiff nicht frei. Wer immer in diesem UFO war, könnte vielleicht in friedlicher Absicht gekommen sein, sagte der Präsident. Der Präsident war natürlich kein Dummkopf, die Piloten hatten grünes Licht, auf einen Angriff sofort zu reagieren. Hubschrauber der großen Medien schwebten so nahe sie konnten heran und filmten unaufhörlich das Raumschiff und die Jagdflugzeuge. Weder diese noch die Hubschrauber konnten näher als 2.000 Meter an das Raumschiff herankommen. Eine unsichtbare Wand hinderte sie, näher zu kommen, die Flugzeuge und die Helikopter glitten ohne Schaden an der unsichtbaren Barriere ab.
Ray verfolgte die Sitzungen diesseits und jenseits des Atlantiks und auch die der chinesischen Führung. Er schwebte 24 Stunden lang vor Washington, die Flugobjekte der Jareel begannen morgens mit ihrer Arbeit. Stunde um Stunde machten sie die Waffen unbrauchbar. Sie waren beinahe fertig, als es Zeit war, den zweiten Kontakt aufzunehmen. Ray ging mit Lin in den Thronsaal und sie verwandelten sich.
Fanfaren, Theaternebel und die Griechin Lin, die wieder fast nackt war und Blumen streute. Als sie sich zu seinen Füßen gesetzt hatte, verstummten die Fanfaren. Er sprach wie zuvor über alle Fernsehkanäle zu den Menschen in ihrer Landessprache.
"Ich bin wie angekündigt gekommen und etwas enttäuscht. Ihr habt nicht alle Kriege beendet, obwohl ich es von euch gefordert habe!" donnerte Zeus. "Ich nehme euch wie angekündigt eure Waffen weg, ihr braucht sie nicht, ihr braucht Frieden. Das ist meine Botschaft: Frieden! Ich komme wieder." Fanfaren, Zeus verschwand im Theaternebel, Ende der Übertragung.
Er hatte sich wieder in Ray zurückverwandelt und war mit Lin in die Kommandozentrale gegangen. Einer der amerikanischen Kampfpiloten zuckte und feuerte eine Rakete auf das Raumschiff ab. Die Rakete löste sich vom Flugzeug und fiel brennend und rauchend ins Meer, wo sie ohne zu explodieren versank. Die Militärs verfolgten den Zwischenfall und sahen sich entgeistert an. Diese Raketen versagten nie. Ray ließ das Raumschiff einige langsame Runden um das Zentrum Washingtons drehen, dann erhob es sich und flog getarnt in Windeseile zum Raumschiff der Jareel.
In den nächsten Wochen verfolgte er aufmerksam die Geschehnisse auf der Erde. Alle Schußwaffen waren unbrauchbar, Handwaffen, Artillerie und Raketenwaffen nutzlos. Amerikaner, Chinesen und Russen testeten in aller Heimlichkeit ihre Atomwaffen. Sie brannten in den Silos ganz unspektakulär aus, sie kamen nicht vom Boden. Sprengstoffe konnten nicht mehr explodieren, sie verglühten harmlos. Weltraumraketen hoben nicht ab, sie ließen sich einfach nicht zünden und der Treibstoff verglühte wirkungslos. Die Menschheit erkannte, daß Zeus sie tatsächlich entwaffnet hatte. Einzig die Polizisten konnten ihre Taser verwenden, ein Trost für die Ordnungshüter. Die Kriege stockten. Man ging noch eine Zeitlang mit Knüppeln und Macheten aufeinander los, aber das waren keine Kriege mehr.
Wenn Lin ihn abends darum bat, verwandelte Ray sich in Zeus. Er stellte nur die Bedingung, daß auch sie sich verwandelte, immer in eine andere. Er merkte nach kurzer Zeit, daß es für sie nicht so schön war wie für ihn. Gutmütig forderte er es nicht mehr, und sie liebte seine Großzügigkeit.
Sie verbrachten viele Tage damit, die Menschen zu beobachten. Die Jareel faßten die wesentlichen Ereignisse zusammen und zeigten es ihm und Lin. Washington, Brüssel und Beijing hatten das Ausmaß schnell begriffen, sie hielten gemeinsame Meetings ab und stellten sich den Tatsachen. Sie hatten alle die gleichen Kontaktdaten von Zeus, aber selbst die besten Techniker fanden den Empfänger nicht, weiß Gott, wie die Jareel das machten. Ray, der diese Konferenzen verfolgte, mußte grinsen. Washington beschloß als erster, Kontakt aufnehmen. Sie wollten mit Zeus reden, schrieben sie in ihrer Email.
Er antwortete sofort. Eine Vertreterin Washingtons sollte anderntags pünktlich zu Mittag vor den Stufen des Capitols auf ihn warten. Sie möge ihre Fragen in Papierform mitnehmen und keine elektronischen Geräte bei sich tragen. Washington fragte, ob er eine Frau meinte? Er bestätigte, sie möge allein kommen und daß er ihre Sicherheit garantierte.
Er verfolgte die Entwicklungen im Weißen Haus. Man fand eine Diplomatin des Außenministeriums, die es wagen wollte. Sie wurde von allen Seiten thematisch vorbereitet und der Geheimdienst stattete sie mit der kleinsten Wanze aus. Sie stand vor dem Capitol, pünktlich um 12 Uhr Mittags. Wie aus dem Nichts tauchte Ray mit seinem imposanten Raumschiff 3.000 Meter über dem Capitol auf.
Die Diplomatin verschwand in einem Wimpernschlag und die Wanze fiel scheppernd zu Boden. Die Anwesenden waren fassungslos. Nur die Kameras der Regierung zeichneten es auf, die Medien hatte man vorsorglich mit einer Rede von Präsident Andrews im Briefing Room abgelenkt. Der Präsident sagte unter anderem, daß man zeitgleich in einer geheimen Operation diplomatischen Kontakt zu dem Wesen, das allgemein mit Zeus in den Medien bezeichnet wurde, aufgenommen habe. Er betonte, daß die Operation amerikanisches leadership beweise. Ergebnisse seien nicht vor morgen zu erwarten. Das Spektakel vor dem Capitol blieb weitgehend unbeachtet.
Die Diplomatin, die gerade noch vor dem Capitol gestanden hatte, fand sich in einem kleinen Raum wieder, die Beleuchtung war gedimmt. Eine angenehme weibliche Computerstimme bat sie, sich auszuziehen und in den beleuchteten Kreis zu stellen, man würde sie auf elektronische Geräte hin scannen. Danach sollte sie die weiße Tunika, die auf der Bank lag, anziehen. Die Stimme wiederholte die Nachricht, bis die Diplomatin sich auszog. Bitte, alles ausziehen, sagte sie, als die Diplomatin zögerte, ihre Unterwäsche auszuziehen. Dann stellte sie sich auf den beleuchteten Kreis und wartete. Die Computerstimme erklang, sie möge sich die Tunika überwerfen und den Lichtsignalen folgen.
Ray hatte sich diesen Schabernack ausgedacht, Lin grinste und hatte keine Einwände. Der große Junge in Ray liebte es, nackte Frauen anzuschauen, murmelte sie gutmütig und knuffte ihren Liebsten in die Seite. Sie versicherte ihm, daß die Diplomatin nichts als ihre Papiere bei sich hatte. Sie gingen in den Thronsaal und verwandelten sich beide.
Einen Augenblick später trat die Diplomatin ein und sah sich um. Der Thronsaal beeindruckte sie ungemein, dann folgte sie den Leuchtdioden zu einer kleinen Bank mit vergoldeten Füßen. Sie blieb vor Zeus stehen und verbeugte sich. Zeus hob eine Hand zum Gruß und sprach: "Sei willkommen, Anne Kilpatrick, bitte nimm Platz." Die griechische Lin erhob sich und schob ein kleines Tischchen neben Anne, auf dem eine kristallklare Karaffe und ein Glas stand. "Eiswasser, wie es in Amerika üblich ist" sagte Lin und nippte am Glas. "Es ist bekömmlich und keinesfalls vergiftet!" sagte sie mit einem schönen Lächeln, bevor sie sich wieder zu Füßen des Gottes setzte.
Zeus betrachtete sie schweigend. Anne war Anfang Dreißig, sehr gebildet und nicht häßlich. Sie strahlte eine aristokratische Selbstsicherheit aus. Sie betrachtete Zeus furchtlos und versuchte, ihn richtig einzuschätzen. Sie nestelte ein wenig nervös an der durchsichtigen Tunika, die ihre Nacktheit mehr preisgab als verbarg. Zeus' Augen betrachteten ihren Körper wie es jeder Mann tun würde, das war ihr vertraut und beruhigte sie irgendwie.
Er blickte sie freundlich an und sagte: "Ich kenne deinen Namen, mich nennen die Menschen Zeus. Wo ich herkomme? Der Olymp in der menschlichen Tradition ist nicht, wie man es allgemein glaubt. Er ist draußen im Universum, für den Menschen unerreichbar. Von dort her kam ich hierher, um euch Frieden zu bringen. Die Waffen habe ich euch genommen, die Gewalttätigkeit ist aber Teil des Menschen. Damit müßt ihr umzugehen lernen, das kann keiner für euch tun."
Anne hatte ihre anfängliche Nervosität verloren und ihm aufmerksam zugehört. "Meine Regierung wird nicht sehr zufrieden sein" sagte sie, "ich habe den Auftrag, zu erfragen, wo Exzellenz herkommen, welches Volk er vertritt und ob eure Absichten gegenüber der Menschheit freundlich gesinnt sind." Sie nestelte wieder an ihrer Tunika, die eigensinnig immer mehr von ihrer Nacktheit preisgab.
Zeus schmunzelte und eine Hand spielte mit den Locken seines Bartes. "Es ist nicht erforderlich, mich mit Exzellenz zu betiteln, nenne mich bitte einfach Zeus, wie es die Medien der Welt tun. Ich spreche im Namen der Völker des Universums, deren Herr ich bin. Und meine Absichten sind sehr freundlich, das versichere ich feierlich der ganzen Menschheit!" Anne fühlte die eisblauen Augen des Riesen auf sich ruhen. Je länger Ray die 29jährige mit den kurzen, blonden Haaren, den kleinen jungfräulichen Brüsten und den schmalen Hüften betrachtete, umso mehr gefiel sie ihm.
Zeus setzte fort: "Eure Schußwaffen habe ich euch genommen, wohl wissend, daß ihr eure Gewalttätigkeit mit Schwertern, Knüppeln und Speeren fortführen werdet. Eure Erfinder werden neue Waffen konstruieren, die nicht mehr auf Explosivstoffen basieren. Es wäre durchaus zu erwarten, daß die Menschheit verbohrt ist und es auch bleibt. Ihr könnt den Frieden gewinnen oder eure Zivilisation verlieren. Ich habe nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren." Zeus lehnte sich ein wenig zurück.
Anne blickte auf ihre Papiere. Sie konnte das meiste streichen, es war beantwortet. "Es wird uns also auch in Zukunft nicht mehr möglich sein, Waffen auf der Basis von Explosivstoffen zu produzieren?" fragte sie. "Nur, um es klar auszusprechen," ergänzte sie aufblickend. Und Zeus antwortete sofort: "Ja, so ist es!"
Anne blickte ihm furchtlos in die Augen. Es machte ihr inzwischen nichts mehr aus, quasi nackt vor dem Riesen zu sitzen. "Es gibt eine wichtige Frage betreffend unsere Erforschung des Weltraums. Wir können zurzeit keine Raketen starten, somit keine Satelliten mehr in die Erdumlaufbahn bringen, den Weltraum nicht weiter erforschen." Sie blickte fragend zum Donnergott.
"Ich habe diese Frage erwartet," sagte Zeus lächelnd. "Ihr könnt in einer eurer Fabriken Raketentreibstoffe herstellen. Nur eine Fabrik, nur Raketentreibstoffe für friedliche Zwecke. Teilt es mit den anderen Nationen. Habt keine Hintergedanken, ich weiß immer Bescheid und werde weitere Fabriken oder Raketen zu militärischen Zwecken zerstören! Das meine ich ernst!" grollte er.
Anne nickte bejahend, "Dies wird meine Regierung positiv bewerten," sagte sie. "Ein zweites Problem ist, daß unsere Steinbrüche, Tunnelbauer, Abrißunternehmen etc. keinen Sprengstoff mehr haben. Welche Antwort kann ich überbringen, ehrwürdiger Zeus?"
Er lächelte und nickte. "Auch dafür gebe ich dieselbe Antwort. Eine einzige Fabrik weltweit, keine militärische Verwendung, teilt mit den anderen Nationen!"
Er blickte Anne mit zusammengezogenen Augenbrauen an. "Überbringe diese Botschaften wortgetreu. Raketentreibstoffe und Sprengstoffe nur und ausschließlich für nichtmilitärische Zwecke. Jeweils nur eine einzige Produktionsstätte! Und teilt es mit den anderen Nationen! Kontrolliert es ganz genau, denn das könnt ihr!"
Anne blickte wieder in ihre Papiere. Ein Punkt war noch offen. "Es gab viele UFO‐Sichtungen in den vergangenen Jahrzehnten, waren diese UFOs von dir?" Anne lächelte scheu, aber sie hatte diesen Unsinn vorzubringen. Zeus lachte auf und sah sie freundlich an. "Nein, liebe Anne, keineswegs! Es gab — abgesehen von meinem Besuch — nur einen einzigen Besuch von Außerhalb, vor gut 800.000 Jahren. Die Valurianer wollten die Erde erkunden, ihr Forschungsschiff stürzte ab, aber davon gibt es heute keine Spuren mehr. (siehe "Valuria" von Jack X. Faber). Alles andere waren Sinnestäuschungen, Trickserereien oder Seemannsgarn. Ich bin mir sicher, daß du nicht enttäuscht bist, liebe Anne!"
Sie schwiegen. Er hob seine Hand und die Bank, auf der sie saß, erhob sich in die Luft, bis sie mit ihm auf Augenhöhe war. Furchtsam umklammerte Anne die Sitzgelegenheit und strampelte unwillkürlich mit den Beinen. Sie blickten sich in die Augen.
"Anne Kilpatrick, es war erfreulich, dich kennenzulernen," sagte Zeus. "Du wirst in deiner Kleidung einen USB‐Stick finden, den ich aus deinem Schreibtisch genommen habe. Unsere Unterhaltung ist sowohl als Tonspur als auch als Video aufgezeichnet. Du mußt selbst entscheiden, wer das Video sehen darf, vielleicht ist es für dich eine Frage des Anstands oder der Privatsphäre."
Anne errötete nur leicht und nestelte wieder an ihrer Tunika, sie gab viel zu viel frei. Sie senkte die Augen und erhaschte einen langen Blick auf den Leib des Riesen. Die Bank senkte sich wieder zu Boden.
"Gehe in Frieden!" sagte Zeus, das Gespräch war beendet. Lin erhob sich zugleich mit Anne. "Auf Wiedersehen und Friede sei mit dir!" sagte Anne halblaut, verbeugte sich und folgte den Leuchtdioden auf dem Boden. Sie zog sich an und vergewisserte sich, daß der USB‐Stick in der Rocktasche ihres Kostüms war. Sie blinzelte, denn sie stand wieder vor dem Capitol.
Sie wurde sofort von den Geheimdienstleuten umringt und ins Weiße Haus gebracht. Im Keller gab es einen besonderen, abgeschirmten Raum, wo sie auf den Präsidenten wartete. Die gesichtslosen Beamten tasteten sie ab, sie untersuchten sie mit Strahlungsmeßgeräten und anderen Geräten. Es dauerte eine ganze Weile, bis sie dem Secret Service grünes Licht gaben. Der Präsident kam und gab ihr die Hand, der Raum füllte sich bis zum letzten Platz. Präsident Andrews wartete, bis Ruhe einkehrte und sprach ein paar Worte, dann forderte er Ann auf, zu berichten. Sie stellte sich allen namentlich vor und sagte, sie wäre dem Wesen gegenüber gestanden und hatte nicht den Eindruck, einer Projektion oder Sinnestäuschung gegenüber zu stehen. Sie war absolut davon überzeugt, daß es ein echtes, lebendes Wesen war. Und nun werde sie die Unterhaltung abspielen, es wäre alles aufgezeichnet.
Sie steckte den Stick in einen der Computer und wartete eine Weile, bis der Bildschirm grün leuchtete zum Zeichen der Unbedenklichkeit. Sie wählte die Datei, die mit Audio bezeichnet war und startete. Die Aufnahme war technisch perfekt, man hörte die Unterhaltung in ausgezeichneter Qualität. Einige schrieben eifrig mit, der Präsident und seine Minister und Berater hörten aufmerksam zu. Am Ende herrschte lange Stille. Der Präsident ordnete an, es noch einmal abzuspielen. Alle hörten aufmerksam zu, wieder machten einige ihre Notizen. Am Ende brach ein Stimmengewirr los, bis Präsident Andrews die Hand hob und verkündete, das Kabinett träte in einer Stunde zu Beratungen zusammen, außerordentlich natürlich. Alle erhoben sich und strömten hinaus.
Der Chef der Geheimdienste trat neben Präsident Andrews und winkte Anne herbei. Der Chef fragte Anne, was noch auf dem Stick war. Dateiname Video, ergänzte der Chef, das hatte er lesen können. Anne gab sich einen Ruck und sagte, zum Präsidenten gewandt, sie bitte darum, es zunächst nur dem Herrn Präsidenten zu zeigen und ihn entscheiden zu lassen, wer es dann sehen könnte. Es sei eine Frage ihrer Privatsphäre. Der Präsident nickte und ließ alle hinausgehen. Nur die beiden Chefs der Geheimdienste und des Secret Service blieben.
Anne startete die Aufzeichnung. Es begann in dem Augenblick, als sie den Thronsaal betrat, die Kamera folgte ihrem Blick über den herrlichen Thronsaal. Ihre Nacktheit war klar zu erkennen und die Männer verstanden sofort, warum die Kilpatrick es zuerst privat anschauen wollte. Die Aufzeichnung entsprach exakt dem Audio, die Kamera zeigte jeweils Anne oder Zeus, wenn sie sprachen. Anne errötete nicht, weil man ihre bescheidenen Brüste in haarscharfer Einstellung sah. Sie errötete, weil man ihre glattrasierte Scham ganz deutlich und haarscharf sehen konnte. Zum Ende dann die Sitzbank, die in die Höhe schwebte. Ihre Panik und das unwillkürliche Spreizen ihrer zappelnden Beine, die einen tiefen Blick in ihr Privatestes preisgaben. Alles haarklein in aller Deutlichkeit, jedes Härchen, jede Pore und jede Hautfalte in lebensechter Auflösung. Das Schlußwort des Riesen, ihr entzückter Blick auf den gewaltigen Leib des Donnergottes. Sie folgte den Leuchtdioden und die Aufzeichnung endete, als sie den Thronsaal verließ.
Präsident Andrews wischte sich über die Stirn. Er blickte zuerst in die Augen der puterrot gewordenen Anne, dann auf den Chef der Geheimdienste. "Jim, laß das Video bearbeiten. Annes Nacktheit muß ausgeblurrt werden, ebenso das Ding des Zeus, dafür hat das Volk kein Verständnis. Und laß den Teil mit dem USB‐Stick weg, es ist besser, wenn sie nicht genau wissen, wie es entstanden ist!"
Jim, der Chef der Geheimdienste, ließ die Aufzeichnung noch einmal laufen. Er hielt die Aufzeichnung an allen Stellen an, wo die Nacktheit Annes zu sehen war. Er blickte auf Präsident Andrews, ob es eine Stelle war, die bearbeitet werden mußte. Andrews nickte jedesmal. Vernon, der Mann vom Secret Service, stand hinter den beiden und Anne sah seinen verächtlichen Blick, als die beiden Männer die Stelle, wo Annes Privates in aller Deutlichkeit zu sehen war, lange begafften. Anne war nicht überrascht, das war eine sehr verständliche Reaktion der Männer. Sie sagte leise: "Das muß verdeckt werden" und jetzt erst nickte Andrews, "Schneiden!" befahl er. Andrews wies den Geheimdienstchef an, es auf ihre Server zu übertragen und die Korrekturen machen zu lassen, bevor man es veröffentlichte. "Einverstanden, Miss Kilpatrick?" fragte er förmlich und als sie nickte, war das Meeting beendet.
Ray, der mit Lin das Meeting beobachtet hatte, fragte sie, warum? Lin sagte, man habe die Legenden um seine Wunschfigur, Zeus, gründlich studiert und wisse über die Reaktionen der Menschen auf Sexuelles ganz genau Bescheid. Ray dachte kurz nach und stimmte zu. Die Amerikaner zum Beispiel gaben sich nach außen hin als äußerst prüde, aber sie konsumierten mehr Pornographie als andere Nationen. "Es ist dir aber schon klar, daß das Video früher oder später geleakt werden wird?" fragte Ray und Lin nickte zustimmend, das wird mit Sicherheit passieren. "Aber ich kann dir versichern, daß Anne Kilpatrick keinen Nachteil dadurch haben wird!" sagte Lin. Als sie an diesem Abend zu Bett gingen, sagte Lin mit breitem Grinsen, sie hätte ein Geschenk für ihn. Ray blickte sie erwartungsvoll an, als sie ihr Kleid fallen ließ. Sie verwandelte sich in Anne Kilpatrick und legte sich zu ihm. Anne war sexuell ziemlich unerfahren, aber das Jungfräuliche hatte einen gewissen Reiz.
Sie blieben mit dem Raumschiff noch mehrere Monate über Washington, badeten im Meer und beobachteten die Entwicklungen und Reaktionen. Das entschärfte Video wurde einen Tag später veröffentlicht, Kopien wurden allen Botschaften übergeben. (Das unzensierte Video gelangte einen Tag später ins Internet.) Konferenzen mit Washington, Brüssel und Beijing wurden abgehalten und die Standorte für die beiden Fabriken festgelegt. Die Produktion der Raketentreibstoffe sollte in Pennsylvania, die der Sprengstoffe in Spanien nahe Madrid erfolgen. Die USA und Spanien schlossen mit allen relevanten Staaten Verträge ab, um die Verteilung und Finanzierung zu regeln. Die endgültigen Fassungen wurden Zeus gemailt, der ihnen das Einverständnis umgehend gab. Ray knurrte, daß er solchen bürokratischen Firlefanz haßte. Beijing hielt sich aber nicht daran. Sie produzierten weiterhin heimlich militärische Raketen. Ray schaute eine Weile zu, dann beschloß er gemeinsam mit Lin, ein Exempel zu statuieren.
Er flog nach China. Er flog ganz langsam über die Megastädte, damit sie von Vielen gesehen wurden. Dann positionierte er das Raumschiff über der Raketenfabrik. Er ließ 2 Stunden lang eine Botschaft, alle müßten die Fabrik verlassen, und unerträglich schrille Töne erschallen, bis der letzte Mensch die Fabrik verlassen hatte. Er hatte Washington und Brüssel zuvor informiert und zerstörte die Fabrik und das Lager mit einem einzigen Schuß. Der tiefe Krater sollte Warnung genug sein. Sie sollten ruhig wissen, daß er es konnte. Sie kehrten nach Washington zurück und verbreiteten das unzensierte Video von der Zerstörung an die Medien.
Sie verbrachten die Tage am Meer, schwammen oder lagen im Sand unter der künstlichen Sonne. Ray verfolgte die Entwicklungen am Bildschirm und in den Zusammenfassungen der Jareel. Sie überwachten die beiden Fabriken, doch es gab keine Unregelmäßigkeiten. Die Menschheit führte keine Kriege mehr. Die Staaten begannen, das Militär für zivile Aufgaben einzusetzen und die Armeen zu verkleinern. Gewaltausbrüche gab es immer wieder, doch sie blieben lokal begrenzt. Wo die Staaten bisher auf Abschreckung gesetzt hatten, verließ man sich nun darauf, daß keiner mehr nennenswerte Waffen besaß. Der Waffenhandel und die Produktion brachen ein und man hatte alle Hände voll zu tun, sie aufzufangen. Präsident Andrews war ein kluger Mann und griff großzügig ein, damit ein Großteil der Arbeiter und der Fabriken aufgefangen werden konnte. Er sammelte viele Punkte für seine Wiederwahl.
Ray saß im bequemen Fauteuil seines Wohnzimmers, trank einen Whisky, rauchte und plante mit Lin den nächsten Schritt.