Und nun soll ich ein Vorwort schreiben. Na gut, mir bleibt auch nix erspart (® Kaiser Franz Joseph I.). Habe das Manuskript flüchtig überflogen, und eines muß ich von vornherein klarstellen: der István ist kein Rassist, nicht im Mindesten. Sein eigener Stammbaum ist ein bunter Fleckerlteppich (ein Kilt aus hunderten Fleckchen Europas, Asiens und Umgebung).
Rein zufällig weiß ich, wie István auf den krausen Gedanken kam, seinen Kommissar in Istanbul aufwachsen zu lassen. Auf der Akademie hatte er einen sympathischen Mitschüler, Hannes Fuchs. Der war tatsächlich in Istanbul aufgewachsen, seine Eltern arbeiteten tatsächlich in der Österreichischen Botschaft und er hatte tatsächlich das St. Georgs-Kolleg in Istanbul besucht. Er hatte unter dem Rufnamen Hakim Elbagr mit einer Jugendbande den Stadtteil Galata unsicher gemacht, aber wir waren alle einmal jung, nicht wahr? Diesem Hannes wollte er eine Art literarisches Denkmal setzen, unser pubertierender Pennäler István.
Istváns Nachbar, der Serdar, ist ein friedlicher, freundlicher Türke. Er verwahrte sich jedesmal, wenn István ihn >Serdan< nannte, er hieße Serdar, und Serdan sei ein kurdischer Name, eines Türken unwürdig. István blieb jedoch starrsinnig dabei, hatte sich doch eine fette Fliege auf dem Namensschild auf der Tür ausgeruht, direkt neben dem letzten >r< des Serdar. Die Fliege, in ihrer Mittagsruhe zerklatscht, hinterließ am Buchstaben >r< einen schwarzen Fleck, damit das >r< in ein >n< verwandelnd. Nach dem Freitagsgebet ging Serdars Frau Fatme gleich unter die Dusche. István und Serdar saßen friedlich nebeneinander auf dem Schuhkasten im Korridor, und da das Badezimmer keine Türe, sondern nur einen Vorhang hatte, starrten sie auf den schemenhaften Schatten hinter der milchigen Verglasung der Duschkabine. Frau Fatme rasierte offenbar ihre Scham und machte es anschließend 10 bis 15 Minuten lang, das glaubte István zu erahnen. Und wie immer redeten die beiden Männer den Politikern ins Geschäft. Sie waren nicht immer einer Meinung, vor allem nicht in der Kurden-Frage, und Frau Fatme stieg, in ein Badetuch gewickelt, aus der Duschkabine. Sie kam vor zum Waschtisch, um ihre schönen, schwarzen Haare zu waschen. Fatme wußte natürlich haargenau, aus welchem Holz der István gedrechselt war, und sie spielte dieses Theater an jedem Freitag für die beiden Männer, innerlich grinsend. Eigentlich fanden beide Männer die Fatme hübsch, nur durfte István das nie laut sagen. Sein Blick glitt an Fatme's schönen Beinen entlang hoch und er betrachtete verstohlen das kleine, rote Herz, das in die Scham Fatmes tätowiert war. "Serdan, deine Frau hat das Herz am richtigen Fleck," merkte István zweideutig an, und Serdar erhob sich langsam. "Komm in die Küche, wir machen türkischen Tee, Fatme wird sicher einen wollen." Vielleicht macht diese kleine Anekdote Istváns Bezug zum Türkischen deutlich, sonst gibt es nämlich keine. Der facto war István nur ein Mal in der Türkei, zum Ballonfliegen in Kappadokien. Und nerven Sie mich nicht, es heißt Ballonfahren, ich weiß.
Und nerven Sie mich bitte auch nicht, wenn Sie bei der Lektüre über die >tschechischen Ärsche< stolpern. Auch das ist leicht erklärt. Istváns langjährige Putzfrau (korrekt: Raumpflegerin) stammt aus Tschechien. Und wenn sie auf allen Vieren auf dem Boden kniet, um die Steinplatten zu schrubben, beugt sich der István ganz tief hinunter, um sich an ihrem Busch und Schlitz zu ergötzen. "Das Tal der Puppen" zitiert er frech und zweideutig Jacqueline Susann. Seine Beteuerungen, schon die Habsburger hätten sich ergötzt und deswegen Prag zur >Kaiserstadt 2.0< ernannt, ist purer Unsinn, um von seiner beschämenden Ergötzung abzulenken. So einfach ist das mit seiner Begeisterung für die >tschechischen Ärsche<, sehen Sie? Zumindest klingt es faktischer als das mit den Habsburgern.
Kein Wunder also, daß die Kommissare in diesem Roman ein reges Privatleben haben, um es milde auszudrücken. Sie kennen ja unseren István und wie seine Fantasie galoppiert. Dort, wo ein jeder in einer halbierten Grapefruit eine halbierte Grapefruit sieht, schnalzt der Flegel mit der Zunge. Also, lassen Sie Milde walten, Altersmilde.
Zum Roman selbst gibt es nicht viel zu sagen. Ein Serienkiller, ein paar tote Polizistinnen, Schüsse knallen, der Killer fliegt ab. Vielleicht genügen diese Eckdaten, und Sie müssen sich nicht durch alle Seiten quälen.
Wien, im März 2026.
Rust Van Idas,
Kammeramtsleiter.