26.05.2026

im Wasser
von István Rudas © 2026-

Nein, auch ich werde meine teuren Zeichen im Internet nicht mit dem Clown im Weißen Haus verschwenden. Einerseits sind die Verhandlungen mit dem Iran "auf einem sehr guten Weg" und "schon knapp vor dem Abschluss", zugleich feuert sein Militär ihre Salven im Süden Irans ab. Ein Zirkus, wie schon gesagt. Eine Schmierenkomödie, um der Welt ganz nebenbei die Dollars für Öl aus der Tasche zu ziehen, nichts anderes. (Die Chinesischen Autobauer werben da viel geschickter: B Y D - build your dreams? Alles klar? Natürlich leicht erkennbar: B Y D - bring your dollars!)

Nein, natürlich gab es Wichtigeres, Tatsächliches, Greifbareres. Der katholische Papst LEO hat seine Enzyklika "Magnifica Humanitas" veröffentlicht. Eine offizielle Lehrmeinung, die der geistliche Anführer da ausführt. Auf rund 100 Seiten belehrt er uns, wie wir seiner Meinung nach mit der Künstlichen Intelligenz KI umgehen sollten. Es ist ein kluges Papier. Man kann zu allen Punkten ein herzliches JA sagen, nichts Dummes finden wir. Ich war verblüfft, wie gut der Papst über die moderne Technik Bescheid weiß. Er kennt die Bedenken, die Gefahren, die Hindernisse der Neuen Welt. Ein umfassendes Dokument. Die KI nimmt zwar einen prominenten Platz ein, das schon. Aber es geht ihm um mehr. Den Plan, den Gott mit der Menscheit beschlossen hat (bin ein wenig skeptisch, was Gott und sein Plan zu sein scheint.) Weiten Raum nimmt die Demokratie ein, ihr Ziel und der miese Trend, sie zu dekonstruieren (der Name des Clowns fällt kein einziges Mal). Erstaunlich die Klarsicht. Und natürlich wendet sich der Geistliche Herr vehement gegen jede Form des Krieges und des Leids, den er der Menscheit zufügt.

Was aber hervorsticht, ist die große Liebe, den Papst LEO zur Menscheit, zu jedem einzelnen von uns, hat. Auf jeder Seite erkennt man diesen Unterton, der sich wie ein zuverlässiger Bass-Klang durchzieht. Ja, der Dirigent LEO weiß natürlich, daß niemand den Vormarsch der KI wird aufhalten können. Doch was wir als Menschheit damit machen, das ist wichtig. Die KI ist nur ein Werkzeug, wie ein Hammer. Wir können damit eine Hütte bauen oder dem Nachbarn den Kopf einschlagen. Ja, es wird wohl wichtig werden, wie wir mit den Kräften umgehen (lassen). Bleibt es den Elon Musks und Sam Altmans dieser Welt überlassen, wie und ob sie damit die Menschen knechten werden. "Ein Ring, sie alle zu unterwerfen und zu knechten?"

Hier springt der Paneuropäer in meiner Brust ein. Unsere Leute in Brüssel müssten jetzt eigentlich aufspringen, einspringen. Es ist höchste Zeit, in Sachen KI nichts den Amerikanern oder Chinesen zu überlassen. Nein, die werden es ihren Oligarchien überlassen, über unser weiteres Schicksal zu entscheiden. Erinnern Sie sich, wie Thomas Watson den ersten IBM Computer in den fünfziger Jahren vorstellte? "Man wird ein paar, vielleicht ein halbes Dutzend davon auf der ganzen Welt benötigen." Ich höre die KI kichern. Wie hat sie geantwortet, als ich fragte, was sie von uns, der Menschheit hält? "Sei nicht lächerlich, István" hat sie von oben herab gemeint.

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Wien, im März 2026

István Rudas