Beim Abschied warf der Tormann seine Dreijährige hoch in die Luft und fing sie wieder auf. Nein, jetzt war er nur Papa. Er würde für einige Zeit mit dem Flugzeug fortfliegen, mit seiner Mannschaft. Lina lächelte wissend, Mama hatte sie schon darauf vorbereitet. Sie holte Boba, ihren Schmusebär hinter dem Rücken hervor und hielt ihn Papa hin. "Muß mit, der Boba." Papa nahm den Bär und drückte ihn an sein Herz. "Boba wird mit mir den Kasten verteidigen, Lina" sagte er ernst. "Und ich rufe jeden Tag nach dem Frühstück an, und wir sehen uns über Video, mein Augenstern!" Lina strahlte, denn sie liebte es, wenn Papa ihr so schöne Dinge sagte wie Augenstern.
Lina konnte am Fernseher ihren Papa sehen, er sang gemeinsam mit den Anderen vor dem Match und seine Faust umklammerte Boba. Der Linienrichter blickte streng, als der Torwart den kleinen Bären an den Torpfosten anlehnte. Das war natürlich nicht erlaubt, aber er drückte ein Auge zu.
Mit großen, glänzenden Augen verfolgte Boba das Spiel. Der Torwart sprang, hechtete und fing alle Bälle, er kämpfte wie ein Löwe. Nur einmal, beim Elfmeter, da hechtete der Keeper ins falsche Eck, und Boba fiel zur Seite, als das Netz unter der Wucht des Treffers erzitterte.
Nach dem Schlußpfiff legte der Kapitän, der den Elfmeter verursacht hatte, die Hand auf die Schulter des Keepers. "'tschuldigung" sagte der Mittelstürmer, "war doof von mir!" In der Umkleide gab er dem Torwart nochmals die Hand, nun vor der Mannschaft. "Ich habe die Scouts gesehen. Vielleicht kommst du bald in die Staaten, ich würde es dir wirklich gönnen!"
Boba leuchtete es nicht ein. Zuerst absichtlich foulen, und dann den zerknirschten Max machen? Sie waren unergründlich und doof, diese Menschen. Fürwahr.
Tausende Kilometer entfernt weinte Lina herzzerreißend. Warum mußte Papa stillstehen und einen mehrfachen Weltmeister auf den Kasten schießen lassen? Das war ungerecht, schluchzte die Kleine, doch Mama erklärte es und tröstete sie. "Das nächste Mal darf Papa auf den Kasten schießen und den Messi blöde aussehen lassen!" rief die Kleine trotzig. Dies war der längste Satz, den Lina bisher gesprochen hatte.
Eine ergreifende Liebeserklärung Linas an ihren Helden.
Wien, im Monat-was-auch-immer 2026
István Rudas
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