22.07.2026(Signal-e)

im Wasser
von István Rudas © 2026-

Mein SIGNAL signalisiert mir, ein neuer Kontaktversuch. Üblicherweise ignoriere ich das, ich bin doch kein WhatzEpp-Dingsda. Doch der Name macht mich stutzig. Anita Tschurtschenthaler. Also nicht die Moderatorin Katharina von. Wäre doch gelacht. In einer meiner frühen Novellen erfand ich eine Theresa Tschurtschenthaler, eine Theresa war noch nicht vergeben. Also stutzte ich, wie eingangs bereits gesagt.

Ausnahmsweise nahm ich an, Blockieren kann ich sie nachher ja auch. "Hallo Anita, ich brauche keine elektrische Heizdecke mehr, die erste war schon im Reisebus defekt, was also könntest du mir verkaufen wollen?" Je patziger, umso zeitsparender. Alte Mariahilfer Volksweisheit.

Ich konnte die Verblüffung beinahe mit Händen greifen. Ob ich nicht ein SIGNAL-Videochat könne? Nein, natürlich nicht, da müßte ich erst ein Handtuch holen und mich - ihn - bedecken. Leises Kichern war zwar nicht zu hören, aber zu erahnen. "Oder - könnte ich dich mal persönlich auf einen Kaffee sehen, ich lade dich ein, keine Sorge, lieber Jack." Aaah, die Muttersau blickte um die Stalltüre! Unwirsch antworte ich, der 'Jack X. Faber' ist ein Pseudonym, ein erfundener Autorenname, ein pen-name, wie die Franzosen sagen. Also, lassen wir den Jack auf der Festplatte, im SIGNAL heiße ich wie es im Taufschein steht, István Rudas. Okay? - Natürlich habe ich wegen der Kriegswirren keinen Taufschein mehr, aber das verrate ich natürlich nicht. Auch nicht, was das X. hinter dem Jack bedeutet. Man soll rätseln, hält das Gehirn auf Trab. Bin für Gerätseltes offen.

Ich hatte so eine Ahnung, eine Nach-Ahnung sozusagen im Gegensatz zur Vorahnung. Könnte sie nicht die Hermine H. aus "Prallärschig" vor anderthalb Monaten sein?, schoß ich ins Dunkle, und ich traf das bulls eye. Vor meinen inneren Augen schluckt die Hermine schwer, das sehe ich (inneres Auge, klar). Ja, kam es kleinlaut zurück. Ja, sie hätte einige meiner Novellen gelesen, manches war ihr zu derb, sagte sie. Okay, mit einer echten Leserin blödele ich nicht, das wäre ungehörig. Wollte sie einen Tipp, oder was? Nach einigem Zögern - oder weil die Leitungen überlastet waren, dann die Antwort, genau das, darüber wollte sie mit dem Autor persönlich reden.

Der Autor redet nie persönlich, er ist ja fiktiv, der arme Kerl. Schade, Kaffee klang schon mal ganz gut. Aber um deine Fragen zu beantworten: Lesetipps: "Konkubine", "Ein langes Leben", "Veronikas Lust" oder "Valuria und Bangurel" beispielweise. Das sind schöne Erzählungen, wo das 'Rein-Raus' überhaupt nicht die Hauptrolle spielt, sondern der Plot, die Geschichte selbst. Valuria und Bangurel sind die ersten zwei Bände einer Trilogie, der dritte Band liegt halbfertig auf Eis, die Muse verweigert.

Und sie hätte so gern den Jack gefragt, wie er auf diese Ideen komme? Jack ist grad nicht da, er pausiert, wenn ich in meinem Blog schreibe, nichtwahr?, aber das kann ich leicht beantworten. Jack träumt das. Ja, richtiges Träumen, wenn man schläft, schnarcht undsoweiter. Undsoweiter klingt jugendfrei. Und Jack meditiert im "luziden Träumen", eine Technik, die man vor dem Fernseher macht, aber nicht hinguckt. Und frage nicht, wie das geht, im Internet gibt es tausende Seiten übers luzide Träumen, das gibt es wirklich, aber im Internet steht auch tonnenweise shit drin. Also lies und denke aktiv mit, denken hilft, Anita.

Meine Zeit wird knapp, behaupte ich, ich muß heute noch wichtigeres erledigen (als mit dir zu tratschen, was ich aber wieder weglösche, ich bin nicht aggressiv) Tschüss, Hermine/Anita und schönen Tag noch.

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P.S.: Mein Freund träumt nun schon die sechste Woche im Spital, kleine bis kleinste Fortschritte. Ich bete zu meiner fiktiven Hl. Carmen von Toledo, sie möge ihn langsam aufwecken. Mal sehen, ob das Gebet zu einer fiktiven, frei erfundenen Heiligen was bringt. Ich - als ihr Erfinder - glaube fest daran. Amen.

Wien, im Monat Juli 2026

István Rudas





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