Also, ich quäle mich durch den Duden (ein 3,5kg-Wascher), um herauszufinden, wann man 'mal' und 'Mal' schreiben solle, da quiekt mein SIGNAL. Was, um diese Zeit!? Anita Tschurtschenthaler. — Reicht man den kleinen Finger, frißt sie den ganzen Arm — das wortwörtlich, sozusagen.
Ihr Mann sei gestern da gewesen. Aha, sage ich. "Du weißt doch, ich bin noch verheiratet, auf dem Papier. Ich hab doch erzählt, er kommt drei oder vier Mal im Jahr, um die Miete zu kassieren, aber er nimmt kein Geld, der Schweinehund---" — "Ich wühle gerade im Duden, meine Liebe, laß mich damit in Ruh'. Schreib dem Doktor Sommer bei BRAVO, sie weiß auf alles Sexuelle eine Antwort, die Frau 'Herr' Doktor Sommer!"
Sie schickt mir eine Menge "Tränen-Emojis". Was immer das heißen mag, und woher sie diese Emojis hernimmt, ist mir schleierhaft. "Ich verwende Buchstaben, die kann man soger auf Papier drucken." Sie ist eingeschnappt. "Du bist herzlos, Jack!" Wieder erwähne ich, daß der Jack noch schläft; ich bin immer noch der István. Minutenlang Schweigen, ich wende mich wieder dem Duden zu. Dann quiekt es wieder.
5 nicht jugendfreie Fotos, vom Scheitel bis zur Sohle, meine Herren! Okay, aber nicht okay. "Pfui, Anita" tippe ich, "ich bin quasi verheiratet und zumindest meine Frau hält sich an unseren Treueschwur. Also, benimm dich!" Wieder langes Schweigen. "Du hast meine Anonymität preisgegeben, du Kerl du! Erni und Anita gehen noch, das sind Pseudonyme. Aber du hast meinen echten Namen verwendet, du verräterische Plaudertasche! Und 'Hermine' macht mich uralt, darum hasse ich diesen Vornamen." Langes Schweigen, diesmal meinerseits. Bin ich eine Plaudertasche? — Ich bin doch bekannt für meine Diskretion!
Mich juckt es in den Fingern. "Du schreibst, du lebst im 10. Hieb (Bezirk), in Favoriten und wärst bisher nicht weiter als bis St. Pölten und Neusiedl am See gekommen. Ich war noch nie in Favoriten, muß ich gestehen; und wo genau da?" Aber ich kann sie nicht überrumpeln. "Wüßtest du wohl gerne, was!? Finde mal meinen Familiennamen heraus, Hermine F., den ersten Buchstaben kriegst du als Starthilfe, einen Joker. Die Hausnummer ist 67, das müßte helfen. Und denke nicht daran, mich zu besuchen, ich bin eine ehrbare alleinlebende Frau, kein Flittchen mit 19." Ich stimme zu, "du bist 32 und dein Mann kassiert die Miete nicht in bar — also kein billiges Flittchen, meiner Seel'".
Ich notiere auf einem Zettel (ja, Papier) die Grundelemente für die SQL-Recherche. Name: Hermine F..., Alter: 32a, Wohnhaft: Favoriten, Straße: to be revealed, Hausnummer 67. Darunter notiere ich, in welche Datenbanken ich mich einhacken muß: Die Stadt Wien, Einwohnermeldeamt, Rotes Kreuz, Polizei und Bundespolizei (heikel) und noch einige, die ich wegen der Diskretion hier nicht preisgeben mag, gschamig wie ich halt bin.
Sie schweigt, volle 15 Minuten Duden. "Wegen der Nacktbilder müßte ich dich blocken, im SIGNAL," werfe ich mein Lasso aus. "Ich habe die 'Konkubine' gelesen. Sehr gschmackig und abenteuerlich. Wieso weißt du so viel über das alte kaiserliche China? Das klingt gar nicht nach Geträumtem." Sie kann mein Lachen nicht sehen und ich suche gar nicht erst in den Emojis, wo immer die auch sind. "Da hast du recht, erst das Träumen um die Handlung zu entwerfen, dann wird recherchiert. Ich habe mehr als 14 Tage lang recherchiert, bevor ich zu schreiben begann. Anfang des letzten Jahrhunderts - in den ersten 20 Jahren - haben viele ernsthafte Forscher über das Kaiserliche China geschrieben, als das Kaiserreich zerfiel."
"Als nächstes solltest du "Valuria" und "Bangurel" lesen, die ersten zwei dicken Bänder der Trilogie "Das Imperium von Valuria". Das ist mir recht gut gelungen, glaube ich." Sie antwortet, "Okay, da bin ich aber gespannt."
"Du weißt schon verdammt viel über mich, Jack" schreibt sie. "Und sei nicht siegessicher, mein Fräulein. Ich bin ziemlich fix im Recherchieren, schon weil du noch nie weiter als bis St. Pölten und Neusiedl am See gekommen bist, da habe ich schon einen guten Ansatz, deinen richtigen Namen herauszufinden."
Mein Finger schwebt unschlüssig über dem "Blockieren"-Schalter. - Nein, beschließe ich. Ich habe ganz vergessen zu fragen, wie sie auf den altehrwürdigen südtiroler Namen Tschurtschenthaler gekommen ist, als Pseudonym. Da steckt sicher mehr dahinter als gar nichts.
Ich nehme die Herausforderung an.
P.S.: Mein Freund träumt im Koma, nun schon über die sechste Woche im Spital, kleine bis kleinste Fortschritte. Das MRT zeigt ein Chaos und eine Gehirnschwellung; man läßt ein wenig Liquor ab, Gehirnflüssigkeit.
Das Wiener Schnitzel bekommt er durch den Schlauch in der Nase. Also, ich würde da sofort aufwachen und protestierend nach dem echten Schnitzel brüllen, ganz sicher.
Wach endlich auf, du Kerl, es gibt heute Wiener Schnitzel!
Wien, im Monat Juli 2026
István Rudas
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