Nicht ganz unerwartet ist die Sängerin Dolly Parton gestorben, sie war 80 und verlor den Kampf gegen den Krebs. Sie überlebte ihren Mann, mit dem sie 60 Jahre verheiratet war, nur um ein Jahr. Alle Medien spielen ihre Erfolge und ihre erstaunliche Karriere landauf und landab, so daß ich nichts Neues beitragen werde.
Nein, es ist ein persönlicher Verlust, ich verliere eine begnadete Stimme, die ich meist beim Schreiben leise im Hintergrund habe spielen lassen. Ich wußte nicht viel von ihr, nur daß sie eine durchaus positive Person war, die niemals jemanden von hinten in die Wade gebissen hatte. Und das ist bei dem garstigen Starrummel des heutigen Amerika eine Seltenheit, die hervorzuheben wichtig ist.
In früheren Zeiten, wenn ich meinen Schwager Cornelius in Holland besuchte, kam irgendwann der Moment, wo er die Dolly Parton Scheibe auflegte und die Lautstärke voll aufdrehte. Wie zwei närrische Kater jaulten wir Seite an Seite und kreischten, 'Joylene möge ihr ihren Mann nicht wegnehmen' und daß sie uns 'always loven' werde. Always. Meine Schwester schüttelte den Kopf und murmelte schmunzelnd, was für Kindsköpfe wir denn wären. Ja, waren wir. Eindeutig. Brüder, die ohne Absprache einen Moment gemeinsamen Glücks erfunden und gemeinsam genossen haben.
Nun ist sie verstummt, für immer. Aber ihre Balladen werde ich mir immer wieder auflegen, wenn mir nach einer tröstlichen Stimme ist. Keine Trauer, kein Schmerz widersteht ihrer Stimme, löst sich verpuffend auf und entschwindet im Nebel. Dazu war sie da, deswegen liebte ich ihre schöne Stimme. Und heute Abend werde ich ein Stamperl Portwein trinken und ihr zuprosten. Sie hat es sich verdient.
Mein Freund Rainer liegt noch immer im Koma, nun schon über 10 Wochen. Aber man hat ihn noch nicht ganz aufgegeben. Er bekommt Physiotherapie und körperliche Übungen, damit seine Gelenke nicht steif werden. Immerhin, seine Augen sind geöffnet, aber ob er etwas sieht, ist fraglich. Er reagiert auf laute Geräusche, und das gibt mir ein bißchen Hoffnung. Ich gebe ihn erst auf, wenn er unter der Erde liegt, keinen Augenblick früher.
Wien, im Monat August 2026
István Rudas
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