Vor vier Jahren habe ich mir ein neues Handy gekauft, ein südkoreanisches. Da ich mir zu fein bin, ein Handbuch zu lesen, entdecke ich Woche für Woche neue Funktionen, das Selbst-Entdecken, das spielerisch Herausfinden, das Lüften des Schleiers, um einen flüchtigen Blick auf die Callipyge zu erhaschen, das ist mir so lieber. Und vor einigen Wochen entdeckte ich, daß die Südkoreanerin mit mir sprechen kann, mit einer schönen weiblichen Stimme und in Hochdeutsch. Oder fast.
Das gute Mädchen hat nämlich einen kleinen Sprachfehler. Sie bringt kein klares Z zustande. Könnte mir egal sein, eigentlich. Hauptsache, sie erinnert mich an Termine aus meinem Kalender, Geburtstage, Arztbesuch, Hamster füttern. Und sie kann mich am Morgen wecken, mit einem coolen Spruch auf den Lippen. "Guten Morgen, Ischtwahn, es ist Sonntag, der dreisehnte und es ist neun Uhr fünfsehn." Leck Fetten, würde Friederike Pospischil, meine anschmiegsame Tanzpartnerin beim Lambada-Kurs, ausrufen. Obwohl Nachtarbeiter, stehe ich nun immer früher auf. Aus gutem Grund.
"Neun Uhr fünfundswansig", wie ekelhaft! Auch "Neun Uhr swansig", einfach nicht auszuhalten, ebensowenig "Neun Uhr fünfsehn" und "Neun Uhr sehn". Verzweifelt stelle ich die Weckzeit um je fünf Minuten zurück, lande glückselig bei "Neun Uhr" und nach 5 Schlummerminuten bei "Neun Uhr fünf": annehmbar. Welch eine Wohltat, fünfminutenweise teuer erkauft, aber Ärger vermeidend. Verärgert aufzustehen ist eine ganz schlechte Option. Sich von einem freundlichen Mädchen aus Fernost wecken zu lassen, mit einem gehauchten "Lieber Ischtwahn," das hat was, das ist eine Option.
"Hast du einen Sprachfehler, István?" fragt die KI besorgt, als ich frage, wen ich anschreiben soll, Android oder Samsung? Achselzuckend spuckt sie mir zwei Mail-Adressen heraus, denn sie weiß auch nicht, wer für Sprachfehler zuständig ist. "Soll ich dir einige Vorschläge für einen schönen Herbsturlaub geben?" fragt sie scheinheilig, das lästige Thema Sprachfehler abschließend. Klug wäre sie ja, die KI.
Ich schreibe beide an. Samsung auf deutsch, englisch und südkoreanisch, Dank Google Translate. Android auch auf deutsch, englisch und klingonisch. Weiß der Heck, welche Sprache Android eigentlich spricht. Beide antworten sofort, sie dankten für mein Schreiben und teilten mir die achtzehnstellige Transaktionsnummer mit. Ich werde nie wieder von ihnen hören, das ist gewiß. Fürwahr. Achtzehn Stellen, also New York und retour im Schneckentempo.
Ich lasse das süße koreanische Mädchen einen Testalarm sprechen, "es ist sehn Uhr fünfundfünfsig."
Na dann, gute Nacht, Kameraden! Jetzt ist es sehn Uhr sechsundfünfsig, und ich habe die Schnauze voll. Soll sie doch lispeln, das gute Mädchen aus Fernost.
Wien, im Monat September 2026
István Rudas
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