10.10.2026 (Ohrhörer)

im Wasser

von István Rudas © 2026-

Nach einem langen Arbeitstag von mehr als 12 Stunden setze ich mich gerne noch für ein Stündchen vor den Fernseher und schaue CNN, mit Ohrhörer natürlich, weil ich den Schlaf meiner Frau nicht stören will. Zwei Stamperln portugiesischer Portwein und einige Zigaretten runden den Tag ab.

Einer meiner Lieblingspräsentatoren ist Anderson Cooper, der letzte Sproß des einst mächtigen Vanderbilt-Clans. Er hat eine sehr markante schnarrende und angenehme Cognac-Stimme, wie man sie nur von teurem alten französischen Cognac bekommt, ich war lange Zeit selbst ein Freund guten Cognacs.

Gesichter zu lesen ist zwar eine Kunst, aber ich bin nicht schlecht in dieser Disziplin. Aber heute Nacht, als er vom Friedensnobelpreis berichtete, konnte er ein Zucken seiner Augenlider nicht unterdrücken. Sagte doch der Clown in einer öffentlichen Veranstaltung, wie schäbig dieses Komitee wäre, nicht dem Amerikanischen Volk und ihm als deren presidential Clown den Preis nicht zuzuerkennen. Hat der nicht mehr alle!? Den Friedensnobelpreis für ein kriegsführendes Land oder gar für dessen Ober-Clown, der einer morgendlichen Blähung zufolge einen völlig unnötigen und geradezu idiotischen Krieg vom Zaun gebrochen hatte!?

Danach der obligate Bericht über den Hurrikan Isaias, wobei die wichtigste Frage war, ob und wann der Hurrikan zum tropischen Sturmtief (Zyklon) herabgestuft werden würde, die wohl wichtigste Frage für den Amerikanischen Bürger, denen gerade die Fetzen um die Ohren fliegen. (Isaias ist, wie du sicher weißt, aramäisch und heißt 'kleiner Jesus'.) Ich habe selbst nur ein einziges Mal einen Orkan der Stärke 12 erlebt, ein kleiner Orkan mit nur 72 Knoten Wind (133 km/h), als ich mit meinem Katamaran FLORIMELL auf dem Weg nach Brindisi war. Für mich hat's aber gereicht.

Ich habe mich dann noch gefragt, ob der Clown in Washington, der ja auch ein Präsident ist, nicht einmal die Frage stellen sollte, warum die Amerikaner immer wieder von Hurrikanen heimgesucht werden. Ich habe mir dann die Frage gestellt, ob es nicht an der Zeit wäre, dass die Amerikaner einmal über den selbstgemachten Klimawandel nachdenken sollten. Aber das ist wohl zu viel verlangt.

Hurrikane gibt es schon seit Menschengedenken. Ihre Häufigkeit und Wucht hat aber wirklich selbst in meiner Lebenszeit erheblich zugenommen. Ergriffen folge ich Anderson Cooper über Stock und Stein, habe seine wohlklingende Stimme immer in meinem Ohr. Es ist ein sehr beruhigendes Erlebnis, denn Florida ist weit weg, ganz weit weg.

Meine Frau, auf dem Rückweg vom Palast der Winde, stupst mich leicht an. "Es is halb drei, mein Schatz, schlaf im Bett weiter, dort schläfst du besser als im Fernsehstuhl." Selbstverständlich folge ich ihrem Rat, denn sie ist eine sehr kluge Frau und weiß, was für meinereinen gut ist.

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Wien, im Monat Oktober 2026

István Rudas





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