Alfie hob Julia aus dem Ferrari, sie war federleicht und kicherte ein bißchen beschwipst, als er sie liebevoll aufs Bett legte. Langsam und bedächtig zog er sie aus, legte ihre Kleider sorgfältig über einen Stuhl und setzte sich neben sie. Er streichelte ihr Gesicht, ihre Wangen, ihre Stirn und ihre langen blonden Haare. Sie lächelte ihn an, und er küsste sie sanft auf die Lippen. Dann legte er sich neben sie und umarmte sie. Sie kuschelten sich aneinander, und Julia schlief augenblicklich ein. Alfie sah ihr zu, wie sie friedlich schlief, und er dachte an die schönen Momente, die sie heute bei der Promotionsfeier zusammen erlebt hatten. Der Herbst war da, doch die Sommerhitze dachte nicht im Traum daran, Nebel und Morgentau Platz zu machen. Nein, heute ganz sicher nicht, morgen auch nicht, eventuell übermorgen. Mal sehen.
Julia rührte sich im Schlaf, und Alfie beugte sich zu ihr hinunter. Sie murmelte etwas über das Bankett, und er nickte, obwohl er sie nicht verstehen konnte. "Ja, mein Liebling, ist mir auch aufgefallen, wie der Heinrich die Johanna mit den Augen verschlang." Julia murmelte im Schlaf, "Ach, mach dir keinen Kopf. Johanna weiß meistens was sie tut, und wenn sie einen Doktoranden zwischen ihre Laken einlädt, dann ist es ihre gottverdammte Privatsache. Ach, Alfie, vergiß den Heinrich, er ist unbedeutend. Ein blondgelockter Engel voller kindlicher Unschuld, den Johanna sich verschlagen grinsend zum Zeitvertreib gegönnt hatte, zwischen all den trockenen Statistiken und Listen voller Zahlenwerk und Kanzlerin Merkels Dekreten. Johanna war sicher seine erste Frau und sie hatte sicher eine Unmenge Spaß mit ihm."
Alfie saß vor ihrem Computer und ging seine Listen durch, während Julia ihren Schwips ausschlief. Er hatte noch eine lange Latte von Kontakten abzuarbeiten, vermutlich würde er kaum bis Weihnachten fertig werden. Er hatte mit dem Gremium und seiner Direktorin gesprochen, sie nickten zustimmend, denn er würde wesentlich mehr Material mitbringen, als sein Bestand vor dem Brand umfaßte. Alfie war zufrieden, und er freute sich auf die kommenden Wochen, in denen er seine Arbeit fortsetzen würde. Der Herbst war eine Zeit des Wandels, und Alfie war bereit, sich den Herausforderungen zu stellen, die vor ihm lagen. Insgeheim freute er sich, drei oder vier Monate länger bei Julia zu sein. Sie war ihm ans Herz gewachsen, keine Frage.
Sie tranken einen Arabia-Kaffee und diskutierten. Die Professorin hatte die Frage nach einem Urlaub angesprochen und damit mehr aufgewirbelt als nur die Frage nach einem Urlaub. Alfie erzählte, daß es sich für ihn immer wie ein Urlaub angefühlt hatte, wenn er mit seinem Tätowierer-Köfferchen nach Arizona oder Florida geflogen war. Die Mundpropaganda hatte ihn zu einem begehrten Tätowierer mit eigener Note gemacht, reiche Damen oder deren Töchter buchten ihn für ein Genital-Tattoo, seine Spezialität. Julia grinste schäbig, ".... und, hast du?" Alfie sah sie freundlich an. "Nur die Angst vor dem tödlichen Virus hielt mich davon ab, begehrlich nach den Früchten zu greifen. Das Einzige, was du vielleicht als Sex bezeichnen würdest, war daß die Damen sich vor und natürlich während dem Tätowieren selbst entspannten, denn die Genitalien mußten zum Tätowieren ganz entspannt sein. Also nein, es gab absolut keinen Sex, meine Liebe. Null, zero, nada."
Julia sah ihn von unten her an. "Oh, das tut mir leid! Die köstlichsten Feigen baumeln von den Bäumen, und du Armer mußt verzichten, die Früchte hingen tatsächlich zu hoch. Und du hast die texanische Kuh mit den wippenden Eutern tätowiert, dein gieriger Blick folgte ihrem Finger, während sie es sich nonstop selbst besorgte und wartetest kurz, bis sie aufhörte zu beben und zu zittern. Du hast sie tätowiert mit dem neutralen, abweisenden Blick wie ein türkischer Eunuch im Harem, dem der Virus gehörig Respekt einflößt. Ich bin dankbar, daß du darauf verzichtet hast, all diese willigen geilen Kühe mit den wippenden Silikon-Eutern zu bespringen, daß du lebst, daß du hier bist, daß du mein Mann bist, Alfie." Alfie lächelte. "Ja, ziemlich gut getroffen, meine Liebe. Ich habe es tausendmal gesehen und jeder aufmunternd zugelächelt, nicht zu stoppen, was für die Jüngeren anfangs sehr wohl ein Problem darstellte. Doch ihre Mama war auf meiner Seite, unterstützte mich so gut sie konnte, bis das Mädchen scheu und schüchtern begann, es mit sündigen Gedanken im Blick zu tun, nonstop bis ich fertig war mit dem Kunstwerk."
Julia blickte über die Kronen der Platanen, die vor ihrem Fenster hoch in den Himmel ragten. Die Sonne schien durch die Blätter und warf ein warmes Licht auf ihr Gesicht. "Mit Oma und Opa fuhren wir regelmäßig zum Semmering, sie hatten dort ein Schlößchen gemietet. Einmal aber, da war ich etwa 16, da fuhren wir mit dem Schlafwagen nach Venedig, ich lag auf der unteren Liege zusammengekuschelt in Opas Armen, denn ich wollte nicht hinauf zu dem Hochbett klettern, eine hochriskante Kletterpartie. Opa war recht vermögend, so wohnten wir im besten Hotel der Stadt, dem Danieli. Ich brauchte damals weder Krücken noch einen Rollstuhl, die Glasknochenkrankheit war damals noch nicht voll ausgebildet. Ich hakte mich links und rechts bei Oma und Opa ein und ging in ihrer Mitte durch die Gäßchen und Plätze dieser wunderbaren Stadt.
Es war die Zeit kurz nach Ferragosto, dem Feiertag am 15. August, der den Italienern heilig ist. Zu dieser Zeit gab es kaum Touristen in Venedig und wir hatten die Stadt für uns allein. Mit großen, kugelrunden Augen bestaunte ich all die Wunder. Damals, in Venedig, kam ich Opa ganz nahe, denn er war es, der mir in jenen Jahren die Wunder der Sexualität nahegebracht, meinen Finger sachte zum Ziel gelenkt hatte. Ich war verdammt nochmal bereits 16 und hatte die Schnauze gestrichen voll von den zurückhaltenden Jungfrau-Ekstasen. Opas Gesicht glühte und leuchtete, sich wie Gottvater Zeus zu einem Erdenmädchen zu legen und Oma legte mit riesengroßen Augen ihre Finger über ihre Lippen, als ob sie erschrocken wäre. Aber es war etwas ganz Natürliches, wir wußten es alle drei. So ist es geschehen, und ich war überglücklich, Alfie, das glücklichste Mädchen im altehrwürdigen Hotel Danieli. In Opas Armen erlebte ich, wie erhaben und heilig der Akt sein konnte, wenn man es liebevoll und ohne Schmutz feierte.
Die Krankheit brach nun voll aus und Opa mußte mich wie ein rohes Ei behandeln. Oma hatte nur Angst, er könnte mich schwängern, vor ihren Augen. Aber sie verlor diese Angst in der Zeit danach rasch, denn Opa schwängerte mich nie, obwohl wir immer gierig waren wie Karnickel. Der Karnickel-Opa und das Karnickel-Mädchen. Oma lächelte immer belustigt, weil wir zwar vorsichtig rangieren mußten wie ein Zug vor dem Hangar, aber wir kannten keine Handbremse und fanden kein Ende, bis der Zug komplett war. Meine Libido schäumte über, gerade weil ich das Gehen verlernte" kicherte sie leise. Tränen glitzerten in Julias Augenwinkeln. "Oh, ja — das war der Urlaub, der mich am stärksten beeindruckt hat, Alfie."
Julia blickte auf. "Soll ich dir Opas Abschiedsbrief vorlesen? Oma und er hatten vor etwa drei Jahren den Freitod gewählt." Alfie nickte, "Wenn du mir nur die für dich wichtigen Passagen vorliest, nicht was ganz Intimes, nein, lass das weg." Julia kramte in den Schreibtischschubladen und legte sich wieder zu ihm. "Ich muß mich ganz bei dir ankuscheln, Alfie, weil ich heulen werde wie ein Schloßhund." Alfie nickte, umschlang sie von hinten und legte ihren Kopf auf seine Brust. Julia räusperte sich und las vor:
Julia,
gestern war deine Matura und Oma und ich sind stolz auf deine Leistung als Klassenbeste. Wir umarmen Dich und sind so stolz, wie toll und ausgezeichnet du all die Jahre gearbeitet hast!
Wir sind alt geworden, Luzia und ich, alt und gebrechlich. Wir haben uns entschlossen selbstbestimmt zu gehen. Wir werden das Gift nehmen und eng umschlungen in die Zukunft gehen, wohin auch immer. Hölle, aber auch der Himmel, sind leicht zu durchschauende Konstrukte, die für den Menschen erfunden worden sind, wie die Götter des Olymp. Vermutlich werden wir auf einem weit entfernten Stern aufwachen, vielleicht in einem Garten Eden — keine üble Idee. Noch wahrscheinlicher ist aber, daß wir einfach nie mehr aufwachen. Bette uns nebeneinander zur ewigen Ruhe, unsere Körper zumindest.
Luzia und ich waren 65 Jahre glücklich verheiratet, es gab viel mehr Höhen als Tiefen, und dafür bin ich ihr sehr dankbar. Am Anfang unserer Beziehung war Luzia es, die Feuer im Arsch hatte, sie war ein heiß begehrtes Mädchen all die Zeit. Ich habe nur ein klein-bißchen unter ihren Affären gelitten, doch sie war es wert, darauf zu warten, bis der Vulkan aufhörte zu brodeln. Dann kamen die goldenen Jahre, Jahrzehnte des Glücks zu zweit, eine Zeit, in der weder Affären noch Liebeleien uns verwirrten, wo wir Lothar großgezogen haben, deinen Papa. Er war der Stern unserer Augen, ein Prachtkerl. Und als er flügge wurde, brachte er Emily in unsere Familie, deine Mama Emilia. Wir, Zeus und Hera, blickten voller Stolz auf die kleine Familie. Und bei ihrer Hochzeit lernte ich die Freundinnen Emilys kennen. Nun erwachte der Vulkan in mir. Luzia lächelte milde, wenn sich die süßen Mädchen, eine nach der anderen, meiner Lust opferte. Ich schwöre dir, ich habe weder die List noch die Tücke vom Gottvater Zeus benutzt, um bei ihnen zu liegen. Es war eine fröhliche, unbeschwerte Zeit, und Luzias milde lächelndes Einverständnis war meine Sonne.
Du warst 21 Monate alt, als das Unglück geschah. Luzia und ich hatten wirklich nur wenig Zeit zu trauern, wir nahmen dich auf und wir entschieden, dich nicht offiziell zu adoptieren, nach langer Überlegung. Du warst und bist das Kind Lothars und Emilys, Punkt. Damals war mein Vulkan noch heftig am Brodeln, aber Oma und ich haben dich wohl behütet aufwachsen lassen, es hat dir nie an etwas gemangelt.
Du warst 8 oder 9, als ich anfing, dir vom Olymp vorzulesen, und du warst Feuer und Flamme. Ich mußte dir von Anfang an sehr viel über die menschliche Sexualität erzählen, denn im Olymp war Sex wie die Luft zum Atmen. Du wolltest wissen, warum, was und wozu die Götter und Göttinnen bereit waren. Die Niederträchtigkeit des Zeus begriffst du ebenso rasch wie die nicht mindere Niederträchtigkeit der Hera. Sie hatten verschiedene Strategien und Mittel, aber das Ziel war, sich bis aufs Blut zu befetzen, das hast du schnell erkannt. Nun mußte ich dir alle Geheimnisse der Sexualität enthüllen, doch Luzia machte nicht mit. Wir haben miteinander gestritten, was für dich, unsere Tochter, das Richtige wäre.
So haben wir es hinter Luzias Rücken gemacht. Ich habe sanft deinen Finger geführt und dich gelehrt, wie ein Mädchen es zu machen hat. Du warst begeistert, überschäumend geil und nicht zu stoppen! Ich hielt dein Handgelenk an, damit du dir eine Pause gönnst und dein kleines Herz nicht von den Anstrengungen zersprang. Du wolltest unbedingt auch das männliche Pendant kennen, so lehrte ich dich, es mir zu machen, lehrte ich dich einen Schwanz zu entleeren. Du warst so ergriffen, so ehrfürchtig und voll Heiliger Verzückung, daß ich wußte, wie richtig es war, daß du das alles damals gelernt hast. Luzia habe ich erst viele Wochen später davon berichtet, sie grummelte zwar und motzte, aber sie beruhigte sich schnell. Ich habe dich ja nicht verdorben, ich habe dich nur sehr gründlich aufgeklärt.
Wir haben dich in die besten Schulen geschickt. Du durftest all deine Freundinnen zum Übernachten einladen, und weder Luzia noch ich haben dir nachspioniert, was immer die Mädchen und du insgeheim getrieben habt. Ihr solltet eure Sexualität erforschen und erkennen, das wollten wir. Und als du Jungs einludest, hat dich Luzia ins Gebet genommen: alles sei erlaubt, bis auf richtigen Geschlechtsverkehr. Sie hat dir erklärt, warum es ganz schön dumm wäre, jetzt schwanger zu werden, außerdem kam deine Krankheit immer mehr zum Vorschein. Ich gebe hier zu, daß ich dem Frieden nicht so recht glaubte und habe dir nachspioniert. Doch zu meiner Erleichterung hast du es ihnen nur mit der Hand gemacht, und Luzia und ich waren stolz auf dich, weil du Beherrschung bewiesen hast.
Wir kommen zum heiklen Punkt, denn ich war von Anfang an gegen Inzest, habe es hunderte Mal mit Oma diskutiert. Luzia kannte meine Geschichte ja. Wenn Mama mich in meiner Jugend badete, hat sie es zum Abschluß gemacht. Sie hat mich eindringlich mit ihrem stumpfen Bäuerinnengesicht angesehen und gesagt, das sein kein Inzest, das machen alle Mamas, um ihre Buben zu entleeren, weil die Natur es so wolle. Ich schluckte, vielleicht stimmte das sogar, obwohl Mama ganz sicher keine Ahnung von diesen Dingen hatte.
Ich war 15 und machte Urlaub bei Tante Thea und Onkel Karl, sie hatten eine Hütte am See. Tante Thea fragte mich über alles aus und sie lachte aus vollem Halse, als ich zugab, wie es Mama mir machte. Die Tante Thea war ein Fotomodell, aber auch ein Nacktmodell, und ich mußte stundenlang zuschauen, wie die Photographen zum Shooting kamen. So kam es, daß die Thea mich verführte, Thea, die jüngere Schwester Mamas! Onkel Karl lachte nur und schlug sich auf die Schenkel, es sah vermutlich sehr putzig aus, die hochgewachsene Schönheit und der schmächtige, 15-jährige Junge. Aber so wurde die Thea meine Erste.
Und Mama schlug die Hände über dem Kopf zusammen und telefonierte stundenlang mit Thea. Mama veränderte sich, die kindliche Unschuld, mit der sie es bisher machte, war verloren. Ich erzähle dir das, weil es sonst nirgends geschrieben steht und du über unsere Familie Bescheid wissen sollst, nicht nur über Götter, Göttinnen und die verführten Mädchen.
Mama verdrehte die Tatsachen und zwar ganz gewaltig. Ich machte keine Anstalten oder irgendein Zeichen, daß ich sie vögeln wollte, nein, niemals! Aber sie sagte nun in weinerlichem Ton, wie erniedrigend es sei, daß ihr Sohn von seiner Tante verführt worden war und nun das Gleiche von seiner Mutter fordere! Von seiner Mutter! Ich duckte mich und hielt meinen Mund, ich kapierte überhaupt nichts mehr. Tag für Tag ging der Jammer weiter und weiter, Mama entblößte sich schamerfüllt, weil ihr Sohn es angeblich fordere. Ja, Kruzitürken, ich saß stumm im Badewasser und forderte gar nichts!
Doch Mama streckte mir ihren Arsch entgegen, spreizte ihre Arschbacken und rief leise, ich solle nur ruhig hinsehen, dies sei ja genau das, was ich so vehement fordere. Ich guckte zwar höchst interessiert, aber ich hatte nie etwas gefordert. Mama steigerte sich aber hinein, sie war ja nur eine ungebildete, vernachlässigte Ehefrau und hatte keinen Schimmer von Psychologie. Ihre Spiegelung der Thea war nun vollständig, sie zwang mich aufzustehen und von hinten einzudringen. Mögen es mir die Götter und Göttinnen verzeihen, aber mein Trieb wußte, was zu tun war.
Ich tat es, und so begann der Inzest mit Mama. Es ging jahrelang weiter, selbst als ich bereits Freundinnen für Sex aus der Schule hatte. Mama bestand darauf, selbst nach meiner Hochzeitsnacht mit Luzia. Die verachtete mich, wie sehr ich an Mamas Rockzipfel hing, etc. So machte ich eines Tages, so nach einem halben Jahr meiner Ehe mit Luzia und regelmäßigem Beischlaf mit beiden, einen ernsthaften Schnitt, Mama durfte uns nur noch besuchen, wenn sie die Finger von mir ließ. Luzia war eine sehr große Hilfe, um von Mama loszukommen.
Ich erzähle dir das, weil es das Vorspiel war zu unserem Urlaub in Venedig, als du 16 warst, Julia. Luzia wußte haargenau, daß du damals geladen warst wie eine Pistole. Sie wußte auch ganz genau, daß du mich zu deinem Ersten wählen würdest. Und sie sagte, ich soll meine Vergangenheit mit Mama einfach endgültig in die Tonne treten und Manns genug sein für unsere Enkelin und nicht feige kneifen. Es fiel mir gottverdammt schwer, ich bin von Natur aus nicht zum Inzest gemacht.
Doch dann taten wir es, und Luzia machte sich nur Sorgen, ich könnte dich unabsichtlich schwängern. Ja, der Gottvater Zeus hätte genau das gemacht, nicht aber ich. Ich hatte mich schon vor Jahren — ohne Luzias Wissen oder Einverständnis — vasektomieren lassen, meine Samenleiter durchschneiden lassen, zu der Zeit, als ich Emilys willigen Freundinnen nachjagte. Ich übernahm so einen Teil der Verantwortung. Ich könnte dich nie schwängern, das wußte ich, aber ich wagte es nicht, es der Luzia zu gestehen, bis heute nicht.
Ich habe dich geliebt, als wärst du meine eigene Tochter. Ich habe dich geliebt, als wärst du meine Geliebte. Das ist alles, was ich dir sagen kann.
Bitte, versteh uns. Ich bin 86, Luzia ist 82 und wir sind beide unsagbar müde. Wir haben unser Leben gelebt, wir haben viel Schönes und viel Trauriges erlebt. Wir hatten ein langes gutes Leben, wir waren über 65 Jahre beisammen wie Philemon und Baucis. Wir wollen nicht mit Schnabeltasse, Windeln und Alzheimer elend verrecken. Wir wollen nebeneinander unseren ewigen Schlaf schlafen, vielleicht kannst du es arrangieren, oder daß wir zwei Plätze nebeneinander bekommen? Nein, du brauchst keine Eiche und keine Linde pflanzen, obwohl das ein schönes Zeichen ist.
Wir haben dich geliebt wie eine Tochter, wir gaben dir alles was du benötigt oder gewünscht hast und der Notar wird dir alles von unserem Besitz übergeben. Unsere große Hoffnung ist, daß du entweder ein schönes Studium oder einen schönen Beruf ergreifst, etwas rollstuhlgemäßes. Und daß du verdammt nochmal einen Prinzen findest, der den gläsernen Schuh von dir findet und dich mindestens halb so sehr liebt und auf Händen trägt, wie Luzia und ich es getan haben, unser Leben lang.
Engelbert
dein Opa
Julia hatte tapfer die Tränen zurückgehalten, nun aber legte sie ihr Gesicht auf Alfies Brust und ließ die Tränen fließen. Alfie hielt sie sanft in seinen Armen und legte Engelberts Brief beiseite, damit es nicht naß werde. Er saß stumm und ließ Julia an seiner Brust weinen, sie sollte an ihren Opa und die Oma denken, denn sie waren Papa und Mama für sie. Als Julias Schluchzen nachließ, fischte er sich das Zigarettenpäckchen und zündete zwei an, gab Julia einen. Sie nahm ein Papiertaschentuch und schnäuzte sich. "Natürlich durfte ich keine zwei Leichen in einen Sarg pferchen, aber ich besorgte zwei Plätze und ließ sie in einer gemeinsamen Grube beerdigen, Sarg an Sarg, das war erlaubt. Und Wochen später ließ ich eine Eiche und eine Linde Pflanzen, weil ich Opa verstanden habe."
Sie hatte einmal Alfie ein Photo vom Grab gezeigt, sie hatten einen gemeinsamen Grabstein aus dunkelrotem Marmor. Unter ihre Namen und Lebensdaten ließ sie eingravieren: „Μαζί στη ζωή, μαζί και στον θάνατο.“ was etwa 'Zusammen im Leben, zusammen auch im Tod.' hieß. Und darunter: „Βίον ανθόσπαρτον“ 'Ein mit Blumen bestreutes Leben', der nicht nur ein Hochzeitswunsch war, sondern von der besonderen Ehe der beiden verkündete. Sie sprachen noch lange über ihre Jugend mit Oma und Opa, über den 'Privatunterricht' Opas und wie die Ereignisse in Venedig, im Hotel Danieli sich entwickelt und abgespielt hatten.
"Ich hatte die Augen immer niedergeschlagen, wenn der Opa es mit der Oma machte, aber das machte er nicht sehr oft. Oma lachte dann immer und gab ihm eine kleine Kopfnuß, "der Vulkan ist wieder Mal übergekocht, was, mein Alter!?" Opa erklärte es mir, daß sie es nicht mehr so oft machten, denn sie waren zu alt, um jetzt noch ein Baby zu machen, aber sie probierten es manchmal doch. Das verstand ich, Opa war ein bißchen wie der Zeus, das Schlitzohr.
Ich hatte auf Opas Schoß gesessen, wenn er aus den dicken Schwarten melodiös vorlas, und ich spürte, wie sich seine warme Hand unter mein Röckchen geschoben hatte. Seit er über den Strolch Zeus vorlas, machte er das immer, schon seit Monaten. Oma hüstelte, aber sie strickte einfach weiter. Ich machte mich ganz weich, so daß er einen Finger unter dem Saum durchschieben konnte. Den Finger des Zeus. "Opa" flüsterte ich in sein Ohr, "hat der Zeus der Metis wirklich ein Baby gemacht?" Opa nickte, "Ja, das hat er, das Schlitzohr!" Wir grinsten beide, wenn der Opa vorlas, wie die Metis ihren Schleier ablegte und sie pudelnackt vor dem Zeus dalag und ihn zu sich lockte. Der Opa blickte vom Buch auf und beschrieb mir die Metis ganz genau, sie hatte große Brüste wie Oma und auch einen knackigen Arsch. Er liebte das Wort knackig und verwendete es gerne, bei jeder Gelegenheit. "Wäre sie nicht knackig und pudelnackt, dann käme der Zeus gar nicht in ihr Bettchen zu ihr hineingeschlüpft" erklärte Opa, "Das stimmt, wirklich!"
"Es kitzelt so schön," flüsterte ich weiter und er nickte, die Sache mit der Metis war ja noch nicht zu Ende. "Opa," flüsterte ich in sein Ohr, "Es wird gleich wieder passieren!" und er nickte. "Das muß so sein, Kleine, nur zappele nicht zuviel, sonst merkt die Oma noch was!" Ich nickte und biß die Zähne zusammen, denn der Zeus legte sich gerade auf den Bauch von der Metis und machte sein Kind hinein, das machte der Zeus immer so, wie der Opa bei Oma. Opas Streicheln war so aufregend, doch der Opa las ganz einfach weiter leise vor. "Und die Metis hat das sehr gerne gehabt," flüsterte ich, weil ich die Geschichte schon zum tausendsten Mal gehört habe, ". . . und der Zeus ist dann einfach abgehauen und sie steht mit seinem Baby da, die Metis" schloß ich, weil das beim Zeus immer so lief, darum war er ein Schlitzohr. Er machte jeder ein Baby und haute einfach ab und tat so, als ob er es nicht gewesen wäre.
"Es zuckt, Opa" flüsterte ich, denn es zuckte immer bevor es kam. Opa nickte, "Es zuckt immer erst, dann kommt es und packt dich ganz fein!" Und dann kam es, die Metis gebar einen halbgöttlichen Sohn und mir zuckte es gewaltig, aber ich biß die Zähne brav zusammen. Oma blickte nicht auf und strickte weiter und meine Beinchen zitterten, als ob ich frieren würde. Doch mein Herz bumperte schnell und mir war ganz schön heiß. Nach einer Weile machte er es nochmal, und nochmal, bis die Geschichten zu Ende waren und das Feuer im Kamin langsam niedergebrannt war. Der Opa und ich, wir hatten da ein Geheimnis, das die Oma nie mitbekam. Und ich — ich liebte dieses Geheimnis."
Die Entschlossenheit in seinem markanten Gesicht nach dem Schreiduell mit Oma wegen Sex, Aufklärung und Kindsein. Opa wartete, bis Oma zum Kaffeekränzchen gegangen war, dann ging er mit Julia ins große Schlafzimmer und sie zogen sich kichernd nackig aus. Sie saß auf seinem Schoß und er machte es ihr einige Male mit seinem Finger, damit sie sich erinnerte, wie sich Geilheit und Entladung anfühlten. Er hatte ihren Finger genommen und es in ihrer Furche geführt, ernst, konzentriert und unendlich sanft. Sie aber verfiel augenblicklich ihrer überschäumenden Libido, ließ ihren Finger in der Furche rasen und explodierte ein ums andre Mal. Sie wollte gar nicht mehr aufhören.
Opa hatte schließlich ihr Handgelenk angehalten. "Nicht das Herz mit zuviel Explosionen überlasten," sagte er besorgt. Sie dürfe es nachts machen, natürlich, dann aber auch rechtzeitig aufhören. Sie hatte Opas mächtig steifen Schwengel unbefangen und neugierig angefaßt und ihn gefragt, wie man es mit diesem mache? Er erklärte ihr die Anatomie am Objekt und die Funktionen in der Theorie. Sie hatte dann, mit einem Schauer über ihren Rücken laufend, die Theorie in die Praxis umzusetzen versucht und gab nicht auf, bis sie Erfolg hatte. Sie kicherte und grinste über das ganze Gesicht. Opa sagte, sie hätte etwas Wichtiges gelernt.
Und das lief weiter, bis sie 16 war. Zu ihrem Geburtstag machten sie eine Bahnreise nach Venedig, denn die Krankheit kam nun unaufhaltsam. Sie getraute sich nicht, hinauf ins Hochbett zu klettern, eine waghalsige Kletterpartie für ein zerbrechliches Mädchen. So kuschelte sie sich in Opas Armen im unteren Bett und machte es heimlich, von Bruck an der Mur bis Villach und darüber hinaus. Venedig, die schönste Stadt der Welt. Und eines Abends, im Hotel Danieli, gab die junge Helena sich Zeus hin. Sie erzitterte, nicht weil ihr Jungfernhäutchen riß, sondern weil es so erhaben und heilig war, die Vereinigung mit Opa. Oma saß mit hochgezogenen Knien im baumwollenen Nachthemd in dem äußersten Winkel des großen Bettes, die Hand an ihren Lippen, die Augen weit aufgerissen. Sie war ja einverstanden, nur sollte Zeus das Erdenmädchen nicht schwängern.
Wie die Karnickel waren Julia-Helena und ihr Zeus. Oma lächelte nachsichtig, weil die beiden kein Ende fanden. Sie machten es immer im Beisein von Oma, niemals würden sie sich hinter ihrem Rücken verkriechen, Ehrensache! Doch ihr Herz gehörte Opa, ihrem Zeus. Und für Julia war es der Himmel auf Erden. Ja, sie hatte später ein paar kleine Liebschaften, eigentlich nur vier. Brad, der Tätowierer, war Nummer fünf, sagte Julia mit verschämtem Blick. Und nach der Matura waren Oma und Opa gegangen, sie wollten im Alter nicht wie altes Gemüse verrotten. Julia war unsagbar traurig, aber sie begriff, warum die beiden selbstbestimmt gegangen waren. Sie hatten ihre Elternpflicht gemeistert und abgeschlossen. Julia war flügge geworden.
Sie schilderte Alfie alles mit großem Ernst, denn sie wollte, daß er über ihre Jugend gut Bescheid wußte. Alfie nickte, sie hatte wirklich eine schöne, aufregende und erfüllte Jugend gehabt.
Alfie lächelte sie an. "Julia, hast du Lust auf einen Urlaub? Magst du mit mir irgendwohin fahren?" Doch Julia schüttelte den Kopf. "Nein, Alfie. Für mich ist es am schönsten, hier bei dir zu liegen und mich ganz als deine Frau zu fühlen. Ich versuche, nicht daran zu denken, daß das Jahr schon um ist und du eines Tages fortgehen mußt. Ich brauche nicht die Wunder einer neuen Umgebung, um in Ehrfurcht zu schaudern. Ich fühle mich wohl in deiner Umarmung, kein Wunder irgendwo auf der Welt könnte schöner sein. Ich verdanke dir meine Heilung, ich kann stolz und aufrecht wie jede andere Frau dahinschreiten und keine Angst mehr haben, daß ich mir einen Knochen breche. Nun, meinen Ferrari nehme ich immer noch, aus reiner Bequemlichkeit und Nostalgie. Ich habe mich an die Geschwindigkeit gewöhnt, und ich liebe es, wenn der Fahrtwind mir um die Haare weht. Ich bin froh, daß du mich nicht mehr wie ein zerbrechliches Kind behandeln mußt, Alfie, sondern als vollwertige Frau mit heilen Knochen."
Alfie war es ganz recht, daß sie beide keine besondere Lust zu verreisen hatten. Er stürzte sich in die Recherchen und seine Arbeit, Julia nahm ihre Diplomarbeit auseinander und war auf der Suche nach einem Titel für ihre Doktorarbeit. Die Professorin wollte sich einen Vorschlag geben lassen, denn Julia war kein Küken mehr und brauchte keine mütterliche Vorgabe.
Ihr Tagesablauf hatte sich nicht verändert. Julia arbeitete jeden Morgen etwa zwei Stunden für IKEA und erledigte die Kundenkorrespondenz mit Hilfe der KI. Mittags rollte sie im Ferrari zum Teich, gab den Vögeln Altbrot und vitaminreiches Vogelfutter. Diese Stunde war ein fester Ankerpunkt in ihrer täglichen Routine, wo sie neben Alfie saß und sie Dinge besprechen konnten, die nichts mit dem Alltag ihrer Arbeiten zu tun hatten. Dinge des Herzens, Dinge der Seele und Dinge, die ihnen unter die Haut gingen. Alfie, der wie immer die Nacht durchgearbeitet hatte, schlief über den Vormittag in Julias Bett. Nach dem Mittagessen legte sie sich zu ihm und stürzte sich dann auf ihr neues Projekt, die Doktorarbeit. Nachmittags braute Alfie einen herrlichen Arabia-Kaffee, der für eine kurze Unterbrechung sorgte. Natürlich versäumte er es nie, süße Kekse oder Törtchen zum Kaffee zu beschaffen.
Der Dienstag Nachmittag gehörte nach wie vor ihrer Seelenfreundin Yvonne, deren Liebesleben immer wieder einer Hochschaubahnfahrt glich. Natürlich lag Alfie neben den Mädchen, wenn deren Lippen keuchend vor Gier und Wollust nach den Lippen der anderen schnappten, er streichelte die schönen Mädchenkörper wollüstig und wohlgefällig. Alfie war in seinem ganzen Leben noch nie so nahe und so direkt inmitten einer so intensiven Mädchenfreundschaft eingebunden, doch er fühlte sich pudelwohl in seiner Haut, wenn die Mädchen ihn ohne jedes unnötige Getue in ihren Mädchensex mit einbezogen.
Julias strikte Ablehnung für Yvonnes unermüdliche Avancen lockerte sich überraschenderweise, weil Yvonne ihn unwiderstehlich wie ein Magnet in sich einsog. Julia und er sprachen nie wieder über ihre bisherige ablehnende Yvonne-Option; Yvonnes Übergriffe waren zur Normalität geworden. Des Bacchus Köpfchen küßte beide Mädchen mit Inbrunst und er war glücklich wie ein Kind mit zwei Waffeltüten und zweimal 5 Eiskugeln. Er beteiligte sich angeregt an den Diskussionen, denn er hatte Zeit genug mit Yvonne verbracht, um sich in ihrem Seelenlabyrinth zurechtfinden zu können. Alfie lächelte fröhlich, denn die beiden Mädchen liebten sich wirklich von ganzem Herzen, wie Schwestern, wie Zwillinge. Ihre Charaktere mochten so verschieden sein wie Gold und Platin, doch jede war ein Edelmetall. Fürwahr.
Die beiden Mädchen erwachten und streckten sich behaglich, schnurrende Kätzchen. Alfie küßte Yvonnes Lippen und fragte, wie es gekommen sei, daß sie eine männerverschlingende Hetäre geworden sei? Yvonne lächelte, "Männerverschlingende Hetäre!?" Sie schüttelte den Kopf schmunzelnd, "Du wirst leicht enttäuscht sein, mein Liebling. Die kurze Antwort wäre, daß ich die Tochter meiner Mutter bin, denn sie war eine wahre männerverschlingende Hetäre, wenn du es so zu bezeichnen beliebst. Für eine ausführliche Antwort brauche ich eine Zigarette, um meine Finger zu beschäftigen." Alfie zündete ihr und Julia eine Zigarette an. Julia kuschelte sich in den Schoß der Freundin und sah zu ihr hoch. "Nun, meine Mama lebte mir vor, was du unter männerverschlingende Hetäre verstehst. Folgerichtig verschwand sie eines Tages, dem Papa einen nichtssagenden Abschiedszettel hinterlassend, auf Nimmerwiedersehen. Mein Papa, der unerschütterlich treu dienende Polizeikommandant Pospischil, brach auseinander wie eine Sandburg. Er ließ sich pensionieren, begann zu trinken und suchte diese oder jene Nachbarin auf, um Sex zu haben.
Ich aber, rebellische 15, spionierte ihm nach und fand heraus, wie liederlich und lustlos diese Nachbarinnen waren — versaute, verrottete Äpfel ohne jeglichen Pep, nichts weiter als willige Schmutzfinken. Da beschloß ich, ihn zu verführen, ihn zwischen meine Schenkel zu klemmen und ihm zu zeigen, wozu sein Mädel imstande ist, zu weitaus mehr als die feucht-schmutzigen Nachbarsweiber. Eingedenk dessen, was ich Mama abgeschaut habe, schnappte ich mir den armen Kerl und zwang ihn, mein Erster und Einziger zu werden. Für eine kurze Zeit blühte er auf, für etwa drei Jahre pflügte er mit Begeisterung in meiner Furche und säte seinen Samen. Er liebte meine Brüste und gab das Trinken auf, von einem Tag auf den anderen. Mama hatte immer komisch auf das Blühen und Sprießen meines Mädchenkörpers gestarrt. Oh, wie stolz war ich auf meine Möpse! Ich verweigerte sie Papa, bis er das Trinken aufzugeben bereit war. Es war reine Erpressung, nichts anderes. Als ich 18 wurde, drückte er mir fünf zum Bersten gefüllte Sparbücher in die Hand. "Mein gesamtes Schwarzgeld, Yvonne, verwende es klug und mach etwas aus deinem Leben, vergeude es nicht wie deine Mama!" Er ging fort und kam nie wieder.
Ich begann zu studieren, ich war fleißig beim Studium und machte mein erstes Doktorat mit 24. Papas Sparguthaben rührte ich kaum an, ich erhielt ja eine Pension nach ihm, weil man ihn für tot hielt. Als er fortging, fühlte ich eine Leere in meiner Seele, eine gähnende Leere. Ich stellte nun Knaben nach, jungen, unverdorbenen Pflänzchen und verschlang sie gierig, um die Leere zu füllen. Es müssen hunderte Engelchen mit gelockten Köpfchen und unberührtem Leib gewesen sein, doch die Leere konnten sie nicht füllen, nur durchaus fleißig in der Furche ackern — aber das war trotzdem sehr unbefriedigend.
Meine Liebhaber wurden älter und zahlreicher, jedoch einer stupider wie der andere. Eine dottoressa flachlegen, ja, das konnten sie sehr wohl. Doch sie hätten das Wort 'Doktor' nicht mal buchstabieren können. Ich begann nun Philosophie zu studieren, und eine kleine Rollstuhlfahrerin kreuzte meinen Weg. Wir waren nicht lesbisch, aber wir liebten es beide, Liebe miteinander zu machen, weil ich auf ihre Krankheit eingehen konnte. Unserer beider Libido ist auf ähnliche Weise überschäumend, und das wiegt die Krankheit bei Weitem auf. Endlich eine Partnerin, die jedes Fremdwort buchstabieren konnte. So kommt es, daß ich mit Julia überglücklich bin und ich guten Gewissens Nacht für Nacht den einen und anderen stupiden Kerl in meiner Furche pflügen lassen kann, denn das Pflügen liebe ich auch sehr. — das war die Langfassung, Alfie. Und ja, daß du auch gut buchstabieren kannst, ist ein wahrer Glücksfall." Alfie nahm sie in die Arme und streichelte ihre großen Brüste. "Danke, daß du mir das erzählt hast, es ergänzt mein Bild von dir."
Alfie ließ sich's weder verdrießen noch in Niedergeschlagenheit fallen lassen. Nein, man konnte nicht immer nur gewinnen. Mancher Kontakt blieb fruchtlos, unbeantwortet oder nichtssagend. Manchmal fand er zwar das angebotene Quellmaterial, aber er hatte es entweder schon oder es taugte nicht für seine Sammlung. Dann blickte er grimmig auf die Porträts seiner Kinder Waltraud und Heinrich. "Dranbleiben, nicht nachlassen. Die Doktorarbeit immer wieder verbessern und einreichen, bis sie akzeptiert wird." Dies hatte er ihnen immer wieder gesagt, er war ihr Vater und nicht irgendein unbeteiligter Hausmeister. Das Lächeln seiner Kinder richtete ihn immer wieder auf. Er packte das nächste Stück an, ein Vasco da Gama, der den Stürmen des indischen Ozeans die Stirne bot. Und der Gedanke, am nächsten Morgen Ruhe und Schlaf auf Julias Bett zu finden war beruhigend.
Julia wiederum kämpfte mit der Materie, mit den Göttern des Olymp. 'Leda und der Schwan' war schon in ihrer Diplomarbeit ausgiebig und sehr ausführlich thematisiert worden, diese wollte und konnte sie nicht noch weiter ausbauen. Sie las die Mythen und Legenden immer wieder. Hera, die Schwester und Ehegattin des Göttervaters Zeus, und dieser selbst blieben der rote Faden, der sich durch alles hindurch zog.
Julia lehnte sich zurück, streckte ihren krummen Rücken zur Entlastung. Sie wollte ihrer Doktorarbeit einen Titel geben: "Das Olympische Imperium", "Das Imperium des Olymp" oder so etwas in dieser Art. Sie hatte "Der schwanzgesteuerte Zeus und seine nicht minder unkeusche Hera" auf einen Zettel gekritzelt und darunter geschrieben: "Wie die sexsüchtigen Götter den Olymp selbst mutwillig zerstörten". Doch dann landete der Zettel im Papierkorb.
Sie hatte Material gesammelt, sie ordnete es sorgfältig und es war nicht wenig:
Hera verfolgte eifersüchtig und mit verkniffenem Gesicht seine Eskapaden, wie ihr Gemahl Zeus unverzagt allen jungen hübschen Göttinnen nachstellte und sich unter die Erdenmenschen mengte, um deren Töchter und Ehefrauen zu besitzen und zu ruinieren:
Bei sterblichen Frauen nutzte Zeus seine Verwandlungskünste besonders kreativ, um unbemerkt zu bleiben oder die Frauen zu verführen, zu besamen und zu schwängern:
Zeus' Begehren machte nicht vor dem Geschlecht halt. Er verliebte sich in den trojanischen Prinzen Ganymed, den schönsten aller Sterblichen. In Gestalt eines riesigen Adlers entführte Zeus den Jüngling auf den Olymp, wo er fortan als Mundschenk der Götter arbeitete und Zeus' Geliebter wurde.
Julia schmiegte sich an Alfies hochgestelltes Knie und las ihm aus ihren Notizen weiter vor:
Zeus, der liederliche Bursche, war noch lange nicht fertig mit seinen Raubzügen zwischen göttliche und irdische Schenkel,
Julias Stimme bebte, als sie all das ihrem Alfie vorlas. Sie war inmitten ihres Themas, inmitten der Intrigen, den Betrügereien und den sexuellen Ausschweifungen des Olymp, denn natürlich war Zeus nicht der Einzige, der den Göttinnen und den Erdenmädchen an die Wäsche ging.
Nur waren die anderen Götter viel geschickter, ihre Missetaten und ihre Schweinereien vor aller Welt zu verbergen. Die Legendenerzähler und Mythenschreiber rieben ihre Federkiele an Zeus ab und brachten die Geduld nicht auf, uns zu erzählen, wie diese Kerle die Göttinnen und Erdenmädchen in ein verschwiegenes Eck drängten und dort frech unter das Unberührbare, die Unterwäsche griffen. Das Unberührbare, denn wenn einer es anfaßte, war es immer eine Vergewaltigung. Still, heimlich und von allen unbeachtet machten sie es dem Göttervater gleich und rissen den Mädchen das Unberührbare herunter. Der Speichel tropfte von ihren Mundwinkeln, wenn sie sich an deren Nacktheit aufgeilten, diese Kerle. So schändeten, begatteten und ruinierten sie die vor Scham, Ekel und Furcht zitternden Mädchen.
Julia wischte sich trotzig eine zornige Träne aus den Augenwinkeln. Wie viele Schicksale, Sagen und Legenden wurden nie über diese Gaunereien niedergeschrieben!?
Zeus' Raubzüge, um unter die Wäsche der unerreichbarsten Frauen zu gelangen, endeten nicht selten düster:
Die wunderschöne Königin Lamia wurde von Zeus geliebt, was Heras extremsten Zorn hervorrief. Hera tötete alle Kinder Lamias und raubte ihr den Schlaf. Wahnsinnig vor Schmerz verwandelte sich Lamia in ein kinderverschlingendes Monster. Zeus, voller Mitleid, schenkte ihr zumindest die Fähigkeit, ihre eigenen Augen herauszunehmen, um so ohne die schrecklichen Bilder vor Augen endlich schlafen zu können.
Doch Hera, Zeus' Gattin, galt als Inbegriff von ehelicher Treue und Keuschheit, obwohl sie wohl einiges im Verborgenen geschehen ließ, ohne daß jemand es wagte, dies schriftlich festzuhalten. Oder vielleicht doch? Julia holte die Sagen des alten Thibault hervor und fügte sie hinten an, zu ihrer Zusammenfassung über die Hera. Doch nun ging sie die Aufzeichnungen und Fragmente Hesiods durch. Gab es nicht doch jemanden, der sich unter Heras Unterwäsche drängelte, der frech und rasend vor Geilheit zwischen ihre göttlichen, ach so keuschen Mama-Schenkel eindrang?
Doch wer waren diese todesmutigen Männer, die versuchten, Hera zu verführen, unter ihre Unterwäsche zu gelangen und sich frech zwischen die göttlichen Schenkel zu drängeln?
Die Reaktion der olympischen Götter auf Heras extremen Zorn war eine Mischung aus Furcht, Ohnmacht und passivem Widerstand. Da Hera die mächtigste Göttin des Olymps und die offizielle Gemahlin des Herrschers war, wagte es kaum jemand, sich ihr offen entgegenzustellen. Wenn es doch geschah, endete es meist im Chaos. Die Götter reagierten auf Heras Rachefeldzüge im Wesentlichen auf vier verschiedene Weisen:
Athene und Apollon hatten ein extrem unterschiedliches Verhältnis zu ihrer Stiefmutter Hera. Beide waren uneheliche Kinder von Zeus und damit lebende Beweise für seine Untreue. Doch während Athene zur engsten Verbündeten Heras wurde, war die Beziehung zwischen Apollon und Hera von tiefem Misstrauen und traumatischen Erinnerungen geprägt. So gingen die beiden prominenten Göttergeschwister mit der eifersüchtigen Götterkönigin um:
Als Hera den Riesen Tityos anstiftete, die hübsche Leto zu vergewaltigen, fackelten Apollon und seine Zwillingsschwester Artemis nicht lange und sprangen für ihre Mutter ein: Sie streckten den Riesen gemeinsam mit einem Hagel aus Giftpfeilen nieder.
Im Trojanischen Krieg standen sich Apollon und Hera als erbitterte Feinde gegenüber. Während Hera die Griechen unterstützte, beschützte Apollon die Trojaner (insbesondere Hektor) und schickte sogar eine verheerende Pest in das Lager von Heras griechischen Lieblingskriegern.
Auf dem Olymp herrschte zwischen beiden ein eisiger, bewaffneter Frieden. Apollon respektierte Heras Macht als Königin, hielt sich jedoch meist von ihr fern. Hera wiederum wusste, wie mächtig und tödlich Apollons Pfeile waren, und vermied es, ihn direkt zu provozieren.
Athene nutzte ihre diplomatische Klugheit und Geschicklichkeit, um mit Hera auf Augenhöhe zu koexistieren und gemeinsame Feinde zu bekämpfen. Apollon hingegen blieb Zeit seines Lebens der loyale Sohn seiner Mutter Leto und begegnete Hera stets mit kühler, distanzierter Wachsamkeit.
Alfie hatte Julia aufmerksam zugehört. Jetzt, wo sie am Ende ihrer Notizen aufblickte und sagte, das sei vielleicht 10% ihres Materials, zog er ein Blatt aus seinem Rucksack heraus. "Währenddessen habe ich auch ein wenig gestöbert und in der Universität von Thessaloniki folgendes gefunden: eine alte, mündlich überlieferte Legende. In Vorzeiten lebte ein liederliches Mädchen im Umland, die notgeile Kalkidike. Sie war hinter den wortkargen, lendenstarken Schafhirten der Gegend her und eroberte sie, einen nach dem anderen, schamlos und unaufhaltsam. Sie gebar Drillinge und behauptete stocksteif, der Göttervater Zeus selbst hätte sie als Hirte verkleidet geschwängert. Niemand nahm sie ernst, nur die alternde Hera, die genau wußte, daß Zeus seine Finger überhaupt nicht im Spiel hatte. Sie war erzürnt über die Dreistigkeit des Mädchens, daß sie sie in die Halbinsel Chalkidiki verwandelte, ihre Kinder wurden die drei Landzungen Kassandra, Sithonia und Athos." Alfie lächelte. "Wäre doch eine Idee, die Geschichte der liederlichen Kalkidike in deine Arbeit einzubinden, nicht wahr?" Julia nahm den Zettel zur Hand. "Ja, ich könnte es beim Kapitel 'Scharlatane, Lügengespinste und fake stories' sehr wohl einfügen. Danke, Alfie, daß du neben deiner Arbeit noch Zeit findest, mir kleine Leckerbissen zuzuschanzen."
Julias Doktorarbeit wuchs und wuchs, sie mußte rasch damit beginnen, eine Reinschrift anzufertigen und bald hatte sie die ersten 750 Seiten geschafft. Sie hatte doch tatsächlich das Olympische Imperium anhand des Götterpaares Zeus und Hera zusammengezimmert und ein sehr umfangreiches Werk über das göttliche Paar und seinen Werdegang zustande gebracht. Ja, es gab noch viel zu ergänzen, Fußnoten zusammenzustellen und hie und da ein bißchen Text dazu zu erfinden, damit es sich flüssig und schlüssig las.
Alfie las ihre Reinschrift immer wieder, sein Rotstift stach unermüdlich in rein grammatikalische oder sinnentstellende Fehler. Aber er war überzeugt, Julias Doktorarbeit würde helle Begeisterung und akademische Anerkennung finden.
Nachdenklich lutschte Julia am Ende ihres Kugelschreibers. Alle sprachen von Zeus, der Kerl war der fleißigste Verführer und Schwängerer der Göttergeschichte. Doch von Hera sprach niemand. Sie verkörperte die eheliche Treue, das Abbild der treuen und standhaften Ehefrau, die einen Vielfraß zum Manne hatte, die bedauernswerte Arme. Doch gerade diese politisch sinnvolle Betonung der Säulen der Ehe, die das gesellschaftliche Leben zusammenhalten sollten, das war die fette Lüge der Geschichtsschreiber. Eine standhaft keusche Hera war der Ankerpunkt, um Recht und Ordnung aufrechtzuerhalten.
Hier wollte Julia ansetzen. Sie forschte und bohrte in den Tiefen der antiken griechischen Sagenwelt, um Heras Image der Reinheit ins Wanken zu bringen. Es paßte ihr überhaupt nicht, allein den zügellosen Göttervater zu zeigen, während seine Gattin die weißeste Weste des Olymp hatte. Das war ungerecht, denn Hera operierte lautlos mit dem Skalpell, wo Zeus mit Hammergetöse werkte. Sie bohrte so lange, bis sie Hera entblättern konnte, ein bißchen nur, aber immerhin.
Julia tippte fleißig, Seite um Seite.
Das ist die konsequenteste und psychologisch tiefgründigste Lesart dieser geheimen Mythen. Wenn man Heras Handeln so betrachtet, wird aus der vermeintlich „keuschen“ Götterkönigin eine Meisterin der subversiven Kriegsführung, die Zeus mit seinen eigenen Waffen schlägt. Zeus demütigt Hera fortlaufend öffentlich durch seine unzähligen Affären mit Sterblichen, Nymphen und Göttinnen. Hera, die ihn als Herrscherin des Olymps politisch nicht einfach verlassen kann, wählt für ihre Rache den ultimativen, verheimlichten Verrat: Sie lässt sich ausgerechnet von seinen existenziellen Erzfeinden in aller Heimlichkeit begatten — den Titanen und kosmischen Riesen. In meiner Forschung lässt sich diese Dynamik der 'sexuellen Vergeltung' perfekt an drei Punkten festmachen:
Julia lehnte sich zurück. Es gab eine ganz interessante Stelle, einen fiktiven Dialog zwischen Hera und Zeus über den Verführungsversuch des Ixion, der felsenfest davon überzeugt war, die 'Eiserne Lady' begattet zu haben.
Julia erwägt, den Dialog zwischen Zeus und Hera aus den Götterdialogen des Lucian wörtlich zu zitieren:
HERA
Zeus! Was hältst du von diesem Ixion?
ZEUS
Ach, meine Liebe, ich halte ihn für einen sehr guten Mann und für einen angenehmen Zeitgenossen. Wäre er unserer Gesellschaft unwürdig, wäre er nicht hier.
HERA
Er ist unwürdig! Er ist ein Schurke! Schick ihn weg!
ZEUS
Äh? Was hat er denn im Schilde geführt? Ich muss es unbedingt wissen.
HERA
Das musst du unbedingt wissen; obwohl ich kaum weiß, wie ich es dir sagen soll. Dieser Elender!
ZEUS
Oh, oh; wenn er ein „Elender“ ist, musst du mir unbedingt alles erzählen. Ich weiß, was „Elender“ bedeutet, dank deiner klugen Zunge. Was, er hat mit dir geschlafen? Dich begattet, dich besamt?
HERA
Und mit mir! Ausgerechnet mit mir! Es geht schon lange so. Anfangs, als er mich immer wieder ansah, hatte ich keine Ahnung … Und dann seufzte und stöhnte er; und wenn ich Ganymed nach dem Trinken meinen Becher reichte, bestand er darauf, ihn zu haben, hörte auf zu trinken, um ihn zu küssen und ihn an seine Augen zu führen; und dann sah er mich wieder an. Und da wusste ich es natürlich. Lange Zeit wollte ich dir nichts sagen; ich dachte, sein Wahnsinnsanfall würde vorübergehen. Aber als er sich bei dem Gelage wirklich erdreistete, mich tatsächlich zu bespringen, ließ ich ihn nach dem Vollzug weinend und kriechend zurück und hielt mir die Ohren zu, damit ich seine Unverschämtheiten nicht hören musste, und kam, um es dir zu erzählen. Es liegt an dir, zu überlegen, was du gegen diesen Frevler tun wirst.
ZEUS
Puh! Ich habe einen Rivalen, wie ich feststelle; und das mit meiner eigenen rechtmäßigen Gemahlin. Da ist ein Schurke, der den Nektar zu seinem eigenen Zweck getrunken hat. Nun, wir haben niemanden außer uns selbst dafür zu beschuldigen: Wir machen zu viel aus diesen Sterblichen, indem wir sie so an unseren Tisch lassen. Wenn sie von unserem Nektar trinken und die Schönheiten des Himmels erblicken (so anders als die der Erde!), ist es kein Wunder, dass sie sich verlieben und ehrgeizige Pläne schmieden!? Ja, die Liebe ist allmächtig; und nicht nur gegenüber Sterblichen: Auch wir Götter sind ihr schon zum Opfer gefallen.
HERA
Er hat sich zu meinem Herrn gemacht; daran besteht kein Zweifel. Er tut mit mir, was er will — er führt meinen Gatten an der Nase herum. — Du folgst ihm, wohin er will, und nimmst jede Position ein, die er befiehlt; du bist sein Besitz, sein Spielzeug. Ich weiß, wie es sein wird: Du wirst Ixion ungeschoren davonkommen lassen, weil du mit seiner Frau geschlafen hast; sie ist die Mutter des Pirithous.
ZEUS
Du erinnerst dich doch gut an meine kleinen Eskapaden! — Nun, meine Meinung zu Ixion ist folgende: Es wäre niemals angebracht, ihn zu bestrafen oder ihn von unserem Tisch auszuschließen; das sähe nicht gut aus. Nein; weil er dich so sehr liebt, so tief getroffen — ja, bis hin zu Tränen, wie du mir sagst —
HERA
Zeus! Was willst du sagen!?
ZEUS
Sei unbesorgt. Lass uns eine Wolkengestalt nach deinem Ebenbild erschaffen, und nach dem Abendessen, wenn er wach liegt (was er natürlich tun wird, da er verliebt ist), lass uns sie zu ihm legen. Sie wird ihn von seinem Schmerz befreien: Er wird sich einbilden, sein Verlangen sei gestillt.
HERA
Niemals! Der anmaßende Schurke!
ZEUS
Ja, ich weiß. Aber was kann es dir schon schaden, wenn Ixion eine Wolke erobert?
HERA
Aber er wird denken, ich sei die Wolke; er wird seinen bösen Willen an mir ausleben, so viel er will.
ZEUS
Jetzt redest du Unsinn. Die Wolke ist nicht Hera, und Hera ist nicht die Wolke. Ixion wird getäuscht werden; das ist alles.
HERA
Ja, aber diese Männer sind alle gleich — sie haben kein Feingefühl. Ich nehme an, wenn er nach Hause kommt, wird er allen damit prahlen, wie sehr er die Umarmungen Heras, der Gemahlin des Zeus, genossen hat! Vielleicht erzählt er ihnen sogar, ich sei in ihn verliebt! Und sie werden es glauben; von der Wolke werden sie nichts ahnen.
ZEUS
Wenn er so etwas sagt, wird er sich bald in der Unterwelt wiederfinden und sich dort für alle Ewigkeit im Kreis drehen. Das wird ihn beschäftigen! Und es wird ihm recht geschehen; nicht weil er sich verliebt hat — ich sehe darin keinen großen Schaden —, sondern weil er so viel geredet hat.
Alfie war nur wenig begeistert. Der fiktive Dialog des Götterpaares paßte nicht zum Gesamtkonzept, wiewohl hier Hera den unfreiwilligen Akt mit Ixios freimütig zu schildern vorgibt, was zu Julias Bild von Hera sehr wohl passen würde. Doch es paßt einfach nicht ins Konzept. Julia blieb unschlüssig. Alfie hatte wohl recht, der fiktive Dialog war und blieb ein Fremdkörper. Und Heras Unzucht war an anderer Stelle gut dokumentiert, sie brauchte den fiktiven Text wirklich nicht. Müde verschob sie Lucians Dialog in einen Archiv-Ordner. Die Legenden des guten Thibault boten genug Stoff, um Heras Liederlichkeit vorzuführen.
Julia hatte im Vorwort der Arbeit festgehalten, daß sie die Beispiele und Legenden vom Treiben des Göttervaters nach freiem Ermessen dichterisch ausschmücken werde, um die Geschichten lesbar zu gestalten. Natürlich würde sie den Sinn der Berichte nicht verändern, sondern nur vermeiden, daß sich dieses oder jenes nicht trocken wie der Wetterbericht präsentierte. Alfie fand dies gut, damit umschiffte sie elegant die dümmsten Kritiken. Julia hatte ein gutes Gefühl dafür, diese erfundenen Passagen flüssig zu gestalten. Und, einer Idee folgend, setzte sie ihre Ergänzungen alle kursiv, so daß der Leser wußte, was Original und was Fiktion war.
Auch Yvonne hatte einen USB-Stick mit dem vorläufigen Manuskript erhalten. Sie las sehr genau und deckte tatsächlich ein paar Ungereimtheiten auf, die selbst Alfie nicht entdeckt hatte. Julia atmete auf, zwei so genau arbeitende Korrekturleser waren für ihre Arbeit sehr wertvoll. Manchmal diskutierte Yvonne die eine oder andere Passage an ihrem Dienstag Nachmittag. Sie fand es irgendwie schade, daß Julia die akademischen Regeln strikt einhielt und sie sich bei den Formulierungen keinen Lapsus leistete, allzu freizügig zu formulieren. Sie meinte, neben oder nach der Promotion ein Buch herauszugeben, das sehr wohl mit freizügigem Text punktete, das wäre ein gelungener Wurf. Julia nickte zwar, aber sie wußte, daß sie es nicht machen würde. Sie strebte eine Assistenz-Professur an der Universität an, nicht eine Karriere als Porno-Schriftstellerin.
Sie feierten Weihnachten an einem Dienstag, damit Yvonne mit von der Partie war. Alfie hatte einen Mini-Weihnachtsbaum aufgetrieben und schmückte ihn gemeinsam mit Julia. Sie sagte, seit dem Freitod ihrer Großeltern vor drei Jahren hatte sie kein Weihnachten mehr gefeiert. Alfie hatte zwei kleine Puppen gekauft und setzte sie unter den Weihnachtsbaum, das seien Oma und Opa, verkündete er. Julias Augen wurden feucht, nun war sie mit dem Universum versöhnt, da Oma und Opa mit ihnen feierten. Yvonne hatte ein herrliches Chateaubriand gebraten und sie aßen das Festmahl im Schein der Kerzen, leise Weihnachtsmusik klang aus den Lautsprechern. Julia seufzte, das waren schöne Weihnachten, im Kreise ihrer Familie. Yvonne schenkte ihr einen sündteuren Schal aus chinesischer Seide, sie schenkte Yvonne ein vergoldetes Armband von der Künstlerin Frey. Alfie schenkte den Mädchen ein liebes Lächeln und zarte, elegante Halskettchen mit einem Medaillon, in dem ein Foto mit ihnen dreien versteckt war. Yvonne und Julia hatten zusammengelegt und hatten für ihn ein kleines, mit Perlmutt-Intarsien reich verziertes Holzkästchen aus Tunesien gekauft, wo er seine Geheimnisse verbergen konnte. Alfie lächelte, denn er hatte keine Geheimnisse. Es gab kein Enigma, kein Similacron und auch keinen Hokus-Pokus um ihn, betonte er.
Sylvester beziehungsweise Neujahr feierten sie zu zweit, Yvonne war mit einer Champagnerflasche bewaffnet auf dem Silversterpfad in der Wiener Innenstadt unterwegs. Julia lag an Alfies Brust gekuschelt auf dem Sofa und sie hörten das 'Köln Konzert' mit Chick Korea, ein sehr ergreifendes Stück, das zu dem alten Cognac paßte, den Alfie irgendwo in den Eingeweiden Wiens aufgetrieben hatte. Nur das Knallen der Feuerwerke und das Krachen der Böller störten das schöne Konzert. Es war ihr erstes Silvester und vielleicht auch das einzige. Julia hatte Tränen in den Augen. "Bleibe doch, du bist so schön!" flüsterte sie die ewigen Worte. Ja, sie hätte ihre Seele dem Teufel verkauft, wenn der schöne Augenblick bleiben würde. Fürwahr.